22. Dezember 2014

NINRAGON – Verlorene Hierarchien: Eine neue Ninragon-Serie geht an den Start


Manche Dinge bewegen sich in geheimnisvollen Kreisen.
Menschen kehren in ihrem Leben zu bekannten Situationen und Konstellationen zurück, aber sie haben sich seitdem gewandelt.
Geschichten gehen nicht verloren oder sind einfach zu Ende erzählt. Manchmal kehren sie in verwandelter Form wieder.
Auch die Mystiker kannten schon dieses Gesetz der Metamorphose und haben es in den unterschiedlichsten Formen beschrieben. Es ist Teil der unaufhaltsamen und positiven Entwicklung, der alle Dinge unterworfen sind.
Auch für mich gab es in der letzten Zeit eine Rückkehr zu Anfängen, nur unter neuen Voraussetzungen, das sich Schließen eines Kreises, das gleichzeitig eine Fortentwicklung bedeutet.
Das Ergebnis davon wird jetzt in der Form meiner neuen Serie „Verlorene Hierarchien“ für den Leser sichtbar und erlebbar.
Aber gehen wir zunächst zurück an einen Anfang. (Der auch eigentlich kein Anfang war sondern einfach nur ein markanter Punkt in einer kontinuierlichen Entwicklung.)

Im Dezember 1997 gab ich in den USA die Nullnummer der Urban-Fantasy-Comicserie „Shadow Reigns“ heraus. (Ich staune selber, während ich auf das Datum der Originalausgabe schaue, aber ja, tatsächlich: So lange ist es schon her. So schnell vergeht die Zeit.) Der erste Band trug den Titel „Renegade Soul“.
Vorher hatte ich einige Comics für amerikanische Verlage gezeichnet, bei denen andere Autoren für Geschichte und Texte verantwortlich zeichneten. Einige dieser Zusammenarbeiten waren sehr erfreulich, so zum Beispiel die Arbeit an dem Comic „Autum“, das zu einer bis heute anhaltenden engen Freundschaft zu einem der beiden Autoren Chris Dows führte. Er ist heute auch der Pate meiner Zwillingstöchter. 
Andere waren kommerziell erfolgreich aber problematisch. Bei einem Projekt musste ich stark erzählerisch eingreifen und die Handlung der ersten Bände verdichten, um der Geschichte eine spannendere Einführung zu bieten und den Leser schon mit dem ersten Band in die Story zu ziehen. Das Ergebnis war, dass der erste Band so gut verkauft wurde, dass der Verlag die Erscheinungsweise beschleunigte, so dass ich in der Zeichengeschwindigkeit einen persönlichen Rekord vorlegen und zwei Comic-Bände in einem Monat zeichnen musste.
Danach wollte ich dann aber endlich meine eigenen Geschichte nach meinem eigenen erzählerischen Geschmack gestalten.
Es spukten schon einige Motive und Erzählideen in meinem Kopf herum. In unserer Zeit sollte es spielen. In einer amerikanischen Großstadt. Es sollte Action mit Mystik verbinden.
Es war Urban Fantasy. Zu einer Zeit, wo dieses Genre gerade entstand und wo es noch nicht so sehr auf einen Kern von klar begrenzter Story-Mustern eingeschränkt war. Einige Leute schrieben damals sehr geniale Geschichten, aber es Urban Fantasy war noch nicht zu diesem großen, plakativen Untergenre geworden, das es heute ist.
So entstand „Shadow Reigns“.
(Und so entstand unter anderem eine Szene, die 1:1 im Film „Matrix“ der Brüder Wachowski abgebildet wurde. Die Wachowskis sind große Comic-Fans und haben sich ausdrücklich dazu bekannt, dass sie sich von den Ideen in Comics immer wieder gerne „inspirieren“ ließen. Aber das ist eine andere Geschichte.)
Als ich wieder mehr nach Deutschland zurückkehrte und mein Geburtsland stärker zu meinem Betätigungsfeld machte, erschien diese Serie unter dem Titel „Schattenreich“ gesammelt in drei Bänden und einer dicken, gebundenen, limitierten Gesamtausgabe.

Ein Sprung um einige Jahre und in ein anderes Medium.
Ich httee vor einiger Zeit schon beschlossen zunächst keine Comics mehr zu machen sondern Romane zu schreiben.
Ich hatte soeben beschlossen, dass mein nächstes Buch ein Fantasy-Roman sein sollte.
Wobei „beschlossen“ allerdings relativ ist, denn die ersten Zeilen und Absätze flossen vollkommen ungefragt aus mir heraus, waren plötzlich da.
„Sie fanden den Menschenmann, als die Sonne im Zenit stand.
Zuerst hielten sie ihn für tot, und wahrscheinlich würde er das auch bald sein, und all ihre Heilkunst und Arzneien, all ihre ‚elfischen‘ Bemühungen würden keinen Unterschied machen.“
So fing die Geschichte an. Dann kam ich an den Punkt, wo ich mir überlegen musste, um was es in dieser Geschichte ging, welche Protagonisten sie haben sollte und welche Namen sie trugen.
Beide Namen kamen aus meiner Vergangenheit zu mir. Der eine stammte aus meinen ersten schriftstellerischen Versuchen als Jugendlicher. Es war „Auric der Schwarze“, und er wurde zur Hauptfigur der Trilogie, die in der darauffolgenden Zeit entstehen sollte. Ab dem Punkt, wo ich ihn als Bild vor Augen hatte, entwickelte sich einiges in Verlauf der Geschichte ziemlich wie von selbst.
Genauso war es beim zweiten Protagonisten. Allerdings beschränkten sich in diesem Fall die Anleihen bei einer alten eigenen Geschichte nicht nur auf den Namen.
Ich beschloss, die Figur gleichen Namens im neuen Roman WAR dieselbe wie in meinem früher verfassten Comic. Nur zu einer wesentlich früheren Zeit. 
Das machte in meinen Gedanken den neuen Roman praktisch zur Vorgeschichte des viel früher entstandenen Comics.
Die Ninragon-Trilogie wurde geschrieben und mit ihr wuchs die Welt, in der sie spielte. Sie entwickelte sich über den Rahmen der Trilogie hinaus. Ich schmiedete Pläne für weiterführende Geschichten, fing einige davon an, entwarf sie und verwirklichte auch manches.
Die Welt von NINRAGON wuchs in die Zeit hinein.
Doch da war immer noch die Geschichte, von der alles ausgegangen war, die jetzt gewissermaßen einen Schlusspunkt im großen Storybogen bildete. Doch über all das Planen und Entwerfen war etwas mit ihr geschehen: Sie stimmte nicht mehr.
Die Ursprungsgeschichte, der Ausgangspunkt stimmte nicht mehr mit der Gesamtheit der Welt überein, die ich im Schaffensprozess entworfen hatte.
Als ich dann nach dem Roman „Homunkulus“ überlegte, was ich als nächstes schreiben sollte, gab es einiges an Plänen und Möglichkeiten. Unter anderem auch solche, die an die Handlung dieses Romans und der Trilogie anknüpften. Doch es drängte sich die alten Geschichte in den Vordergrund, der Ursprung, der Endpunkt. Bald wurde mir klar, dass ich diesen Eckpfeiler der Metageschichte von „Ninragon“ würde bewältigen müssen, bevor ich in anderer Richtung weiterging.
Und so machte ich mich an die Planung, die einige Zeit in Anspruch nahm. Denn es gab zu diesem Zeitpunkt schon eine Vielzahl von Schichten, die alle auf die endgültige Version der Geschichte gebracht werden mussten. Da war zum einen der Comic, dann aber auch noch ein erster Versuch ihn in einen Roman zu verwandeln. All das musste gesichtet (und wieder vergessen), auf eine essentielle, neue Form verdichtet werden, die dem Gesamtkosmos und dem anderen, neuen Medium entsprach.
Es hat sich in dieser Geschichte vieles verändert, muss ich im Rückblick sagen. Kaum ein Stein ist auf dem anderen geblieben. Der Kern der Geschichte ist jedoch erhalten geblieben.
Sie hat sogar einen neuen Titel bekommen.
In der Zeit nachdem die deutsche Version „Schattenreich“ veröffentlicht worden war, waren einige Projekt des gleichen Namens erschienen. Und obwohl ich der erste war, der eine Geschichte unter diesem Namen veröffentlicht hatte, entschloss ich mich, um Verwirrungen (und Rechtsstreitigkeiten) aus dem Weg zu gehen, der Geschichte einen neuen Namen zu geben.
So wurde aus „Shadow Reigns“ und „Schattenreich“ „Verlorene Hierarchien“.
Diese Geschichte die ein Eckstein des Ninragon-Kosmos ist und in der viele Stränge zusammenlaufen, erscheint jetzt endlich als Buch und eBook.
Aber keine Angst: Der Neueinsteiger wird all die Verbindungen kaum bemerken und ihr Wissen ist auch nicht für das Lesen und Verstehen erforderlich. Wir steigen in eine neue Geschichte mit neuen Personen ein. Ein Anfang, genau wie damals der Comic. Ein Vorwissen der anderen Geschichten aus dem Ninragon-Kosmos ist nicht erforderlich. Es wird wohl so sein, dass, wenn man von „Verlorene Hierarchien“ aus weiterliest und andere meiner Bücher verfolgt, viele Verbindungen auffallen und sich ergeben werden. Ich liebe es, den Leser mit den NINRAGON-Romanen auf eine Entdeckungsreise zu schicken. Doch für Leser die neu in diesem Reich sind, gibt es und wird es noch viele Türen geben, durch die man es ohne Vorwissen und Kenntnis der anderen Bücher betreten kann. „Verlorene Hierarchien“ ist eine dieser Türen.
Kehren wir zum Anfang des Kreises zurück. Die Nullnummer des Comics hieß „Renegade Soul“.
Und so ist es vielleicht nur angemessen, dass die Nullnummer der Roman-Reihe auch diesmal wieder einen englischsprachigen Titel trägt, den Namen einer Straße. Was auch wieder für Bewegung und Entwicklung steht. Charakteristischerweise ist es der Name einer Straße, die kein Ende hat. „The Road goes ever on and on“, wie der Pate epischer Fantasy, J.R.R. Tolkien formulierte.
Entwicklung hat kein Ende.
Aber manchmal kehren wir verändert an bekannte Punkte zurück.

„Twilight Road“, die Nullnummer der Romanreihe ist gratis erhältlich.
Den ersten Band „Stadt des Zwielichts“ gibt es hier für nur 0,99 €.
Unter diesen Links kommt man auch jeweils zu einer Kurzbeschreibung der Geschichte und kann in den Anfang hineinlesen.


NINRAGON wurde in der Kategorie „Beste Serie“ für den Deutschen Phantastik Preis 2013  nominiert. „Schattenreich“, der Comic, auf dem diese Geschichte basiert, wurde mir dem ICOM Independent Preis ausgezeichnet.