28. Januar 2013

Ich könnte es Ihnen verraten, aber dann müsste ich Sie erschießen


Tja, nun schreibe ich also wieder. An einem neuen Roman.
Und was schreibe ich jetzt hier?
Ich kann meinen Lesern natürlich nichts über meinen Roman sagen. 
Denn dann wüssten sie’s ja.
Außerhalb des Inhaltlichen ist der Schriftstelleralltag eigentlich ziemlich langweilig. Wenn man einen Schriftsteller so von außen sieht, dann sieht man, dass er schreibt. Manchmal ganze Stunden am Stück. Ehrlich. Im günstigen Fall. 
Sonst läuft er wild rum und ringt die Hände. 
Das ist auch nicht besser.
Manchmal kann man auch beobachten, wie er an seinem Arbeitstisch sitzt, auf die Tischplatte einschlägt und sich selber beschimpft. Oder seine Figuren.
Im allergünstigsten Fall beschimpfen seine Figuren sich gegenseitig. Das ist wenn es gut läuft. 
Dann ist am Ende des Arbeitstages ein gar aufregendes Kapitel fertig.
Und man weiß, sie haben sich so sehr beschimpft, die vertragen sich auch morgen nicht wieder. Nee, nee, da ist zu viel passiert. Da ist zu viel Porzellan zerschlagen worden. Das ist jetzt auch nicht mehr rückgängig zu machen. Von keinem. Außer vom Schriftsteller. Aber der will das nicht.
Denn dann müsste er ja die Arbeit eines ganzen Tages löschen. Und das ist noch das Wenigste. Denn dann würden sie sich auch nicht morgen wieder so dolle beschimpfen. Und das findet er eigentlich klasse. Denn so geht der Arbeitstag herum. Und er kriegt viel geschafft.
Und die Leser mögen’s. Ehrlich. Wenn sich Leute beschimpfen. Und sich dann so doll in die Haare kriegen, dass sie schlimme Sachen miteinander anstellen.
Was sind das eigentlich für Leute, diese Leser? Dass die auf so was stehen. Wie sich Leute so in die Wolle kriegen, dass sie sich abmurksen. Die müsste man richtiggehend boykottieren. Mach ich aber nicht.
Weil ich hab auch Spaß dran.
Hehe.
Was werden meine Töchter nur sagen, wenn sie später einmal lesen können und meine Bücher in die Finger kriegen.
Na ja, neulich als sie den Star-Trek-Phaser und Kommunikatur in die Hände gekriegt haben, sind sie tagelang in der Wohnung rumgelaufen und haben auf Planeten gegen Monster gekämpft.
Ich habe Kirsten, meiner Frau, gesagt: Zieh ihnen bloß keine roten T-Shirts an.
Weil, man macht sich ja Sorgen.
Und Zoe will dauernd, dass ich zu ihr mit tiefer, schnaufender, röchelnder Stimme sage: Rrr-kch … Zoe … rrr … ich bin dein Papa… kch!
Mann, für Mädchen, die noch so klein sind, sind die schon ganz schön schräg drauf.
Und wer ist wieder schuld?
Klar. Ich wieder.

Mmmm, was schreiben andere Schriftsteller eigentlich in ihrem Blog, wenn sie grad was schreiben?

23. Januar 2013

The Next Big Thing Blog Hop


The Next Big Thing Blog Hop ist eine Möglichkeit für Autoren (in der ganzen Welt) zu berichten, an welchem Projekt sie gerade arbeiten. Sie beantworten 10 Fragen zu ihrem nächsten Buch. Zusätzlich erwähnt man die Person, die einen vorgeschlagen hat, und nennt selber Autoren/Autorinnen, die als nächstes die Fragen beantworten.
Ich selber wurde dazu von Elsa Rieger eingeladen, bei der ich mich hierfür herzlich bedanken möchte.
Elsa Rieger ist eine außerordentlich produktive und rege Autorin aus Wien. Ihre Texte sind abwechslungsreich und haben eine hohe Bandbreite. Egal, um welches Thema sie den Mantel ihrer Prosa legt, immer umhüllt er es weich und geschmeidig und lässt goldene Tupfer der Poesie aufblitzen. Es lohnt sich auf jeden Fall sich auf eine ihrer zahlreichen Veröffentlichungen einzulassen, die ihr hier bei Amazon findet.

Elsa Riegers Blog

Und hier mein Interview:


Was ist der Arbeitstitel Ihres Buchs?


Momentan trägt das „Work in Progress“ den Titel „Homunkulus“. Ich habe an dieser Stelle auch schon ein wenig darüber berichtet. Aber für jeden Kuss der Muse bin ich dankbar. Bei der Schlagkraft, Poesie und eines Titels ist immer Raum nach oben offen. Ohnehin finde ich, dass wir es mit der deutschen Sprache unendlich viel schwerer haben, gute Titel zu finden als englische Autoren. Die Bandbreite ist sehr eingeschränkt. Vieles, was im englischen großartig klingt, geht im Deutschen gar nicht. Und Genetiv-Konstruktionen wie „Tochter des Bösens“, „Schwert von Schallalalla“ kann ich nun wirklich nicht mehr hören. Wir deutschen Autoren sind da gefordert innovativ zu sein und neue Wege zu gehen.

Woher kam die Idee für das Buch?


Mehrere Antworten.
Zum einen: Aus dem letzten Buch. „Homunkulus“ ist eine Fortführung der Geschichte für die in „Ninragon“ die Basis gelegt wurde. Am Ende bietet die Geschichte dieser Welt viele Anknüpfungsmöglichkeiten, während der Weg Aurics des Schwarzen zum Ninragon zu Ende erzählt wird. „Homunkulus“ wirft einen Blick darauf, wie die Welt Ninragons fünf Jahre nach den in der Trilogie geschilderten Ereignissen aussieht.
Zweitens: Ich wollte nach der breitangelegten Trilogie einmal das Setting deutlich eingrenzen und eine Geschichte erzählen, die in einer Stadt spielt. Dann haben mich verschiedene Eindrücke auch noch dazu gebracht, die Einflüsse eines anderen Genres in die Fantasy einzubringen. Ich liebe solche Herausforderungen und Anlässe zur Innovation. Ich hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, einmal zu versuchen, wie sich ein hard-boiled Cop-Thriller als Fantasy macht. Der letzten Ausschlag ernsthaft die Geschichte zu planen gab ein Bericht über ein ähnliches Projekt, das aber satirisch gemeint war. Daraufhin ging etwas in mir hoch: Nein! Nein! Nicht satirisch. Das geht auch anders. Das geht wirklich ohne Brüche, wenn man es richtig angeht. Ernsthaft, ganz ernsthaft muss das sein. Und ich begann die Geschichte zu plotten, die mir schon lange im Kopf herumging und die Figuren, die in mir herumspukten aus dem Nebel der Herumträumens ins Konkrete zu holen.
Und es passte ausgezeichnet in die Fortführung des Ninragon-Kosmos.

Unter welches Genre fällt Ihr Buch?


Phantastische Literatur. Fantasy. Ganz klar spielt es in einer Fantasy-Welt. Es nimmt sich einiger Konzepte an, die aus anderen Genres kommen, aber die werden nie anders beschrieben als mit den Begrifflichkeiten einer Fantasy-Welt. 

Wie lautet die Ein-Satz-Zusammenfassung Ihres Buches?


Eine Angehörige des Stadtmiliz Rhun will ihre Stadt sauber und sicher halten – wenn nötig mit harter Hand – und weiß plötzlich nicht mehr, auf welcher Seite sie eigentlich steht.

Welche Schauspieler sollten Ihre Charaktere in einer Filmumsetzung spielen?


Zu meinem neuen Buch möchte ich das noch nicht verraten. Ich kann etwas zu „Hyperdrive“ sagen. Zwei Möglichkeiten, wer Giébra, den geniale Slicker, der in die Jahre gekommen ist, spielt: Gene Hackman oder Mark Boone Junior, der den Robert „Bobby Elvis“ Munson in „Sons of Anarchy“ spielt.

Werden Sie Ihr Buch selbst verlegen oder wird es vertreten durch einen Agenten?


Ich werde mit allen meinen Büchern durch einen Agenten vertreten, nämlich Gerd Rumler. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Es wird sich bald entscheiden, und sobald ich in dieser Sache keine ungewollten Zeugen mehr anschließend beseitigen muss, werde ich es bestimmt hier auf dieser Seite als erstes posten. 

Wie lange haben Sie gebraucht, um den ersten Entwurf Ihres Manuskripts zu schreiben?


Kann ich nicht sagen, da ich gerade erst mit dem Schreiben anfange. Ich habe mal sechs Monate für das Buch veranschlagt.

Welche anderen Bücher würden Sie mit Ihrem Genre vergleichen?


Darüber habe ich ebenfalls hie schon ein paar mal gesprochen. Ich würde mich der neuen Welle der Fantasy zuordnen, einer Generation von Autoren, die dem Fantasy-Genre einen neuen, frischen Geist einhauchen, es mit Realismus, Reife, Mehrdeutigkeit füllen, die wild, spannend und innovativ sind (nachdem das Genre über lange Zeit in Formelhaftigkeit und schlichter Gut-Böse-Polarisierung erstarrt war). Ich möchte hier Leute wie George R. R. Martin nennen, dessen Serie „Lied von Eis und Feuer“ durch die TV-Adaption betitelt „Game of Thrones“ noch einmal so richtig bekannt wurde, sein weniger bekannter Mit-Pate dieser Welle Glen Cook und die neue Generation um Schreiber wie R. Scott Bakker, Joe Abercrombie und Richard Morgan.

Was sonst über Ihr Buch könnte das Interesse des Lesers wecken?


Die ganzen tollen Rezensionen, die ich bei für das Vorgänger-Werk, meine „Ninragon“-Trilogie erhalten habe. Das geht von „neuer Stern am Autorenhimmel“ über „beste epische Fantasy seit Jahren“, „der Beginn von etwas ganz Großem“, „Fantasy vom Feinsten, de sich vom Einheitsbrei abhebt“, „Fantasy-Epos, der sich nicht hinter den Genrekönigen verstecken muss“, „furioses Debut … eines der besten Fantasywerke des Jahres“, „packendes Fantasy-Epos lesen will, das seines Gleichen sucht“, „Wer Fantasy schätzt, findet hier einen Schatz.“, „Fantasy auf hohem Niveau“, „in der Liga mit Büchern von George R. R. Martin, R. Scott Bakker und Co“. Was soll ich dem noch hinzufügen? Was kann ich mir mehr wünschen?

Möchten Sie andere Autoren für das Interview nominieren?


Ja, das möchte ich gerne.

Da ist zunächst ein Freund und Kollege, Ulli Schwan. Seine Homepage findet ihr hier, weitere Info hier, seine Bücher auf Amazon oder bei 13Mann.

Kay Noa ist eine Schriftstellerin, die ebenfalls Epic Fantasy schreibt. Hier findet man ihr Interview zu „The Next Big Thing Blog Hop“.

Stefanie Maucher ist eine junge, talentierte Schriftstellerin mit dem Hand zum Makabren. Ihr Roman „Kalte Berechnung“ konnte schon viel Lob einheimsen. Was da nach ihren bisherigen Werken noch mehr zu erwarten ist, darüber spricht sie in ihrem „The Next Big Thing Blog Hop“-Interview.

Bernd Perplies würde ich unter der gleichen Flagge sehen wie mich: Er ist Autor phantastischer Romane. Das heißt, in jedem seiner Projekte hat er ein anderes phantastisches "Genre" bearbeitet. Mit "Tarean" hat er epische Fantasy geschrieben, mit "Magierdämmerung" Steampunk, seine neueste Trilogie, deren erster Band unter dem Titel "Flammen über Arcadion" erschienen ist, hat er sich der Dystopie zugewandt (Dystopie: Marketing-Deutsch für Science Fiction, die auch von Mädchen gelesen werden soll). Sein Interview findet ihr hier. Mehr über ihn und seine Werke findet ihr auf seiner Homepage.
Die restlichen von mir Nominierten werde ich hier bekanntgeben, so bald ich weiß, ob sie Zeit und Gelegenheit haben, bei dieser Aktion mitzumachen.

20. Januar 2013

Neuer Roman, neue Liebe


Seit meinem letzten Blogeintrag ist einige Zeit vergangen. Es ist hier etwas still geworden, verglichen mit der Frequenz der Posts in letzter Zeit. Das hat seine Gründe.
Ich hänge in der Anfangsphase eines neuen Romans.
Das ist immer eine ganz besondere Zeit. Und das gilt in diesem Fall auf extreme Weise.
Es ist etwas her, dass ich zuletzt einen Roman begonnen habe; es ist etwas her, dass ich zuletzt an einem neuen Roman geschrieben habe.
Meine letzten schriftstellerischen Arbeiten dienten der Überarbeitung von „Hyperdrive“, das inzwischen erschienen ist. Es musste redigiert und gekürzt, Szenen mussten umgestellt werden, neue Passagen, ganze neue Szenen wurden geschrieben. Doch hier war der Roman schon vorhanden. Das Gerüst stand schon, die Charaktere waren da, ihre Stimme, die des Romans war vorgegeben. Das alles musste nicht erst noch gefunden werden; ich musste mich nur noch hineinfühlen und mich hineinfallen lassen.
Es war auf jeden Fall ein intensives Erlebnis: die Begegnung mit alten Bekannten, die Begegnung mit Altbekanntem, das mir mit Abstand betrachtet in einem vollkommen neuen Licht erschien. Das deshalb an eine neue Zeit und eine neue Erfahrungsstufe angepasst werden musste.
Davor gab es die Arbeit an „Ninragon“ und das liegt für mich nach meinem Gefühl schon so lange in der Vergangenheit, das ist schon fast „Geschichte“.
Jetzt geht es also wieder an einen Roman, einen neuen, einen frischen, nach langer, langer Pause.
Zunächst muss ich mir mein Material wieder aneignen, muss mich durch den Wust an Notizen wühlen, muss mir vor Augen führen, was ich mit all dem damals, als ich diese Erzählung konzipierte, wohl gemeint hatte. Es gibt ein Exposee, es gibt ein für mich selber geschriebenes Konzept, das wesentlich ausführlicher ist. Aber dennoch muss ich mich erst einmal wieder in die Gedankenwelt einfühlen, in die Atmosphäre, in die Personen, ihre Motivationen. Auch in die Welt von „Ninragon“ im allgemeinen, nachdem ich mich die letzten Monate in der fernen Zukunft von „Hyperdrive“ herumgetrieben habe mit ihren Netzpods, Screens, Slickern, HiLiners und Nirloten, die Schiffe mittels des Antriebs um den Kern der Stromberg-Psaidac-Röhren im Hyperdrive navigieren.
Jetzt geht es zurück zu Wächtergeistern, dem Orden des Einen Weges, der Kutte, den verschiedenen Mysterien des Inaim-Glaubens, auch zu den Kinphauren und ihrer Gesellschaft und magischen Technik.
Es ist eine seltsame Zeit, wenn ich einen neuen Roman anfange. Auch für den Rest meiner Familie.
Man wird zu so etwas wie einem Teilzeit-Authisten.
Ich habe schon die seltsamsten Geschichten gehört über Autoren mit Familie, die sich Schreibtrance befinden. Die eine trug einen roten Schal, der dem Rest der Familie signalisierte „Mami befindet sich in einer anderen Welt; bitte nicht stören!“ Lustig fand ich auch das Schild an der Tür des Schreibraums: „Mama schreibt. Bitte nur stören, wenn jemand blutet oder das Haus brennt.“
Viele die schreiben, wissen es. Eine einzige Störung im falschen Moment kann ein gewaltiger Rückschlag sein. Vergleichbar mit dem Crash einer Festplatte. Man ist dabei gerade etwas zu greifen, eine Persönlichkeit an ihren Nähten herbeizuziehen, fast kann man ihre Stimme hören, dann kommt plötzlich die Stimme aus dem Off, Du hör mal … Und das war’s. Die Blase ist geplatzt. Man fängt von vorne an.
Man hört auch – und nicht einmal als Ausnahmen – von Autoren, die nach einer Unterbrechung von ihrer Arbeit, wie z.B. einem Signiertermin, einer zweitägigen Fahrt zu einem Con, einer Messe, erst einmal wieder zwei Tage brauchen, um überhaupt wieder ins Schreiben hereinzukommen.
Wenn ich etwas Neues starte, geht mein (kontinuierlicher) Lektürefortschritt gewaltig in den Keller. Ich lese nicht mehr an dem einen Buch, das gerade ansteht. Ich laufe hierhin, dorthin, greife mir dieses oder jenes Buch aus dem Regal, lese bestimmte Stellen, gezielt oder wahllos, versuche mich in diesem wilden Land des Mysteriums, des geschriebenen Wortes erst einmal wieder zu orientieren.
Denn wahrhaftig, es ist ein Mysterium. Anders als das Zeichnen oder Comic-Erzählen, ist es ein Geheimnis, das du ergreifen musst, in das du dich fallen lassen musst, um in dessen Gnade zu gelangen.
Für mich jedenfalls.
Irgendwie ist es für mich vergleichbar mit der Zeit des sich neu Verliebens. Objektiv gesehen, also von außen, ist das eine äußerst anstrengende, aufreibende Zeit. Man schläft wenig, isst schlecht, treibt sich rum, ist weit entfernt von einem gesunden Geisteszustand. Und doch, wer würde diese Zeit als etwas Unangenehmes empfinden. Sie ist herrlich, erregend, belebend. Obwohl man, von einer nüchternen medizinischen und psychologischen Warte betrachtet, völlig auf den Hund kommt.
Ich wühle mich also durch meinen bisherigen Text durch und mache ihn mir zu eigen, so wie ich heute bin, so wie ich heute schreibe. Ich tigere durch die Wohnung, stammele halblaut vor mich hin, so dass mir auch hin und wieder jemand einen Euro in die Hand drückt, lese Western, Krimis, obskures Zeug aus dem Bücherregal, das für den Betrachter von außen, so gar nicht zu meinem derzeitigen Projekt zu passen scheint. Höre Musik. Kein mittelalterliches Zeug, bitte. Ist zwar Fantasy, was ich schreibe, aber ich stelle mir meine Welt keineswegs mittelalterlich vor. Sie fühlt sich so an, wie unsere Welt. Nur ohne die Erfindung von Schusswaffen und des Schießpulvers. Das wurde schließlich in Moratraneum vom Ausbruch des Elmssogs rückgängig gemacht. So wie unsere Welt, nur mit dem eindeutigen Beweis der Wirksamkeit übernatürlicher Mächte und Kräfte. Magie nennt man so etwas wohl in Fantasy-Romanen.
Die Leute in dieser Welt und diesen Geschichten fühlen sich genau wie wir. Sie leben in ihrem Jetzt. In ihrer Neuzeit. In ihrer Moderne. Sie reden nicht antiquiert. Worum sollten sie? Nur weil in ihrer Welt mit Schwertern statt mit Maschinengewehren in Kriege gezogen wird. Tun wir das etwa? Außer wir bezwecken etwas Besonderes damit, außer es wäre zu einem bestimmten Anlass.
Also abtauchen! Mitte rein in Rhun. Stadt am Fluss. Stadt der Türme und Kastelle. Universitätsstadt. Alte Hauptstadt von Vanarand. Herzland des Idirischen Reiches. Früher jedenfalls.
Hinein in den Taumel! Hinein in einen neuen Roman!

14. Januar 2013

Neuer Roman, Tag Eins


Tag Eins eines neuen Roman-Projekts.
Da haben wir den Salat. Das, was niemals hätte eintreten sollen, ist passiert. Aber manchmal lassen einem das Leben und die Umstände keine andere Wahl.
Der Motor muss neu gestartet werden. Ich fange wieder an zu schreiben. Ich fange wieder an in Geschichten zu denken. Neulich habe ich mich noch darüber ausgelassen, dass Geheimnis wäre, niemals aufzuhören. Doch manchmal entstehen Situationen und Notwendigkeiten, die einen zum Innehalten zwingen.
Vielleicht habe ich deshalb mit so viel Emotion gegen das Innehalten gewettert. Weil es anstand, weil ich wusste, jetzt muss erst einmal gegen die goldene Regel gelebt werden.
So, das ist jetzt vorbei.
Ganztägiges Ereignis in meinem Kalender: I’m here to kick ass!!! The fuck else for?
Was also steht an? Neues Projekt. Oder besser, schon begonnenes und geplantes Projekt.
Also heißt es: Erst einmal das Material sichten.
Ein Exposee, ca. 50 Seiten Text, jede Menge Notizen und Fragmente. Dank dem genialen Schreibprogramm Scrivener bereits vorsortiert und zugeordnet.
Erst mal, muss ich mich einmal wieder daran erinnern, was ich mit dieser Geschichte vorhatte. Natürlich habe ich immer noch eine Ahnung, sehe die vage Gestalt der Geschichte vor mir, die Hauptpersonen, das Setting, die groben Handlungsbögen. Aber die Einzelheiten.
Ich beginne zu lesen und sehe, dass viele Details in eine Grauzone gesunken sind. Motivationen. Zusammensetzungen von Gruppen, die Verpflechtungen der Personen. An manchen Stellen muss ich rätseln wie bei einem Krimi. Es erscheint mir falsch, nicht zu passen. Was zur Hölle hat der Autor sich nur dabei gedacht? Aber am Ende beginnt alles wieder Sinn zu machen; die Stücke fügen sich zueinander. Alles glänzt. Jetzt muss ich nur noch untertauchen in die Personen, und die Geschichte wird sich entwickeln. Wenn der grobe Plan dem Herrn Autoren wieder bewusst geworden ist, wird es Zeit, das instinktivgetriebene Vieh auf die Geschichte loszulassen.
Sichten des Textes, also.
Der Anfang lässt mich wieder stutzen.
Erste Anmerkungen meines werten Lektors haben mich daran erinnert meinem ersten Instinkt zu trauen, auf meinen allerersten, ursprünglichen Anfang zurückzufallen, bevor das Gehirn mir ins Gehege fiel. Ich probiere Möglichkeiten durch. Teste Sequenzen. Versuche einen Tritt, eine Stimme zu finden. Stotternde Zeit vergeht.
Mit einem komischen Gefühl geht man in die Zeit nach dem Arbeitsende. In der die Arbeit erst richtig anfängt. Irgendwo im Bewusstsein schmeißt man die Ideen hin und her. Es fühlt sich zunächst komisch an. Man verwechselt es mit Unsicherheit. Aber nach und nach erkennt an es als das, was es wirklich ist: Die Maschine kommt in Gang. Jedes mal anders. Aber dennoch ist es das vertraute Brummen der alten Maschine.
Und nach und nach kommen die Antworten. Die zunächst wie Fragen aussahen. Und nach und nach kommt die Sicherheit.
Wenn ich mich morgen hinsetzte, weiß ich, wie der Text aussehen muss. Das ist dann nur noch schieben. Und Arbeit. Und lesen. Und Worte wieder verstehen. Und Rhythmus. Ein Gefühl für den Schritt. Pacing. Groove. Geschlossene Tür. Selber Spaß an der Geschichte haben. Sie mir erzählen. Mich in sie verlieben. Mich ganz in die Geschichte fallen lassen. Alles in sie hineinziehen.
Schreiben.
Tag Eins.

8. Januar 2013

Ein cooles Leben


In vorangegangenen Blogeinträgen habe ich ein wenig erläutert, wie ich zur Science Fiction und wie ich zur Fantasy kam, was ich in diesen Genres gelesen habe und was mich dort beeindruckt hat.
Unterschwellig kam auch schon dort heraus, welche unterschiedlichen Haltungen ich zu den beiden Genres hatte und habe, dass zum Beispiel mein Verhältnis zur Fantasy nicht immer ungebrochen war. Natürlich hat meine Haltung zu diesen Genres auch beeinflusst, wie ich selber sie behandelt, was ich in ihnen geschrieben habe.
Die Bemerkung eines Lesers zu „Hyperdrive“ brachte mich vor einiger Zeit zum Grübeln.
Das Stichwort, dass ihm zu „Hyperdrive“ einfalle, sei „hell“.
Das machte mich nachdenklich, war doch das Stichwort, das zu „Ninragon“ oft auftauchte „düster“.
Warum ist das so? Liegt es an den jeweiligen Stories, liegt es an den Genres? Oder liegt es an meiner Haltung zu den Genres?
Zunächst fällt mir auf, dass die Protagonisten von „Hyperdrive“ – Sam B., Giébra – doch eigentlich ein recht cooles Leben führen – sieht man einmal von den Fährnissen und Kalamitäten ab, in die sie in dieser Geschichte geraten. Das kann man von den Personen in „Ninragon“ nun nicht gerade sagen. Mit der Frage konfrontiert, welche Person aus deinen Geschichten wärest du gerne, fallen die Protagonisten von „Ninragon“ als erstes einmal im großen Stil aus der Vorauswahl. Auf keinen Fall möchte ich auch nur mit einem von ihnen tauschen.
Die Zukunft ist hell. Die Vergangenheit ist dunkel.
Ich kann mir in zukünftigen Welten eine Menge guter Leben, eine Menge angenehmer Lebensläufe vorstellen. In vergangenen Welten, in Fantasy-Welten? Da wird es schon schwierig, wenn man herausstellen sollte, wer da ein cooles Leben führte. Söldner, Soldaten, Bauern, Leibeigene, Handwerker? Ohne sanitäre Anlagen? Ohne die Annehmlichkeiten unserer Zivilisation? Ohne jederzeit abrufbare Musik? Nur mit Dudelsackgequäke zum Frühjahrs- und Herbstmarkt? Ohne Internet?
Vielleicht hat diese Einstellung auch etwas mit meinem Alter zu tun, mit meiner Entwicklung, meinem Erwachsenwerden. Vielleicht erklärt das ja auch, warum Fantasy so oft eine Ähnlichkeit zur Jugendliteratur aufweist. Vielleicht hat es ja auch mit dem Bruch zu tun, den es in meinem Verhältnis zur Fantasy gab und den Bedingungen unter denen ich zu diesem Genre zurückkehren konnte.
Als Kinder sind wir von vielem begeistert. Wir möchten in viele Rollen schlüpfen. Ein Leben als Pirat erscheint uns toll und aufregend. Als Soldat. Als Abenteurer. Als Wikinger.
Aber wir werden älter, und nach und nach begreifen wir die Realitäten hinter den Leben, die uns als Kind so aufregend erschienen. Wir begreifen die Gewalt, die das Leben eines Piraten ausmacht, realisieren, dass das Kapern eines Schiffes Mord und Totschlag, das Auslöschen von Leben, Diebstahl bedeutet. Welches Elend doch in Wirklichkeit hinter diesen Lebensläufen gesteckt haben muss. Wie viel Leid es in diesen Zeiten und Milieus doch gegeben hat. Wie viel Elend, Leid und Gewalt diese Personen wohl gebracht und erduldet haben müssen. Wir begreifen die Realität, die Lebenswirklichkeit hinter der abenteuerlichen fiktionalen Fassade.
Wer von uns wollte heute wohl noch tatsächlich Pirat sein, möchte sich in dieser Welt von Gewalt und Unterdrückung durchsetzen müssen, möchte faule Zähne und Skorbut riskieren? Je älter und reifer wir werden, umso weniger können wir die Wirklichkeit hinter all dem abenteuerlichen Glanz der Kindheitsspiele ignorieren.
Und immer mehr Lebensläufe scheiden dadurch für uns als lebens- und wünschenswert aus. Stellen wir uns eine normale Fantasywelt vor und schauen sie uns an. Da bleibt nicht mehr viel an Biografien und Rollen übrig, in die wir wirklich ernsthaft schlüpfen möchten. Jedenfalls nicht für jemanden, der die Errungenschaften der modernen Welt durchaus zu schätzen weiß.
Vielleicht ist hier der Punkt, wo für die meisten in ihrer Entwicklung der Bruch mit dem Genre einsetzt. Sicher können sich manche noch immer in diese kindlich-abenteuerliche Naivität fallen lassen und sie genießen. Suchen das sogar. Ungebrochen? Schon weniger. Aber eine bestimmte Leserschicht wird hier gewiss abgedeckt.
Suchen wir nach Alternativen? Was bleibt also für ein gutes Lebensmodell? Adlige, Prinzen. Die Knaben der Prophezeiung. Für das Fußvolk sieht das Leben eher düster aus.
Vielleicht ist das der Grund, warum eben diese bestimmten Figuren in der Fantasy eine so große Rolle spielen. Sie geben die Möglichkeit, das dieser Welt inhärente Elend auszublenden, sie versprechen Entrinnen vor dem eigenen geschärften, gereiften Blick. Entrinnen – to escape.
Der Rest findet Vergnügen in dem herben gebrochenen, gereiften Blick auf die Welt, findet Faszination im harten Angesicht der Realität. Schauen wir uns als Beispiel die Welten von George R.R. Martin, Joe Abercrombie und ähnlichen Autoren an. In ihnen lässt es sich trefflich zeigen, wie Menschen sich immer wieder bemühen angesichts der widrigsten Bedingungen und Umstände Würde und Größe zu bewahren. Wie gefährdet diese sind und wie sie immer wieder aufs Neue, manchmal nur für kurze Momente, errungen werden müssen.
Das gibt auch uns, die wir unter wesentlich leichteren Bedingungen leben, Antworten, forciert diese Fragen unter forcierten Umständen. Gewissermaßen unter Laborbedingungen. Fantasy: Die Bewahrung menschlicher Würde und Größe in einem „Worst-Case“-Szenario?
Oder wir lassen uns nur von Abenteuern berauschen. Werden Piraten oder Knaben der Prophezeiung. Auch davon brauchen wir zugegebenermaßen machmal. Nicht ist daran verwerflich. Die Dosis macht das Heilmittel oder Gift.
Wir Fantasy-Leser und Schreiber der neuen Generation wurden aus dem Paradies verstoßen. Und wir suchen Wegen zurück. Oder wir suchen einen Weg zu einem neuen verwandelten Paradies. Wir suchen sie durch und mit unserer Lieblingsliteratur. Dies ist eine zutiefst menschliche und allgemeine Fragestellung. Wir suchen nach Läuterung. Wie können wir durch Probleme und widrige Umstände hindurchgehen und heil bleiben oder es wieder werden. Während wir uns das fragen, beobachten wir, wie unsere Protagonisten, unsere Avatare durch die Hölle gehen. Die gestellte Frage ist die nach Heilung.

Ein cooles Leben?
In dem Maße, wie ich mir die Fantasy-Literatur zu eigen machen, suche ich danach.
Vielleicht werden meine Fantasy-Bücher mit der Zeit immer heller.
In der Welt des Ninragon habe ich schon die besten Voraussetzungen dazu geschaffen. An der archetypischen Fantasy-Welt habe ich schon für mich einiges modifiziert. Es gibt im Ninragon-Universum Botuka-Musik, zu der man abrocken kann. Es gibt eine Nation, die zumindest als ihr Ideal, Kultur und Humanismus kennt. Eine andere Welt wäre für mich nicht wünschenswert. In einer anderen Welt möchte ich mich mit meinen Geschichten nicht heimisch machen.
Ich mache mich weiter auf den Weg. Ich suche weiter. Ich lote meine Welt weiter aus. Mit meinen Helden.
Sie alle suchen Heilung. Sie alle suchen Läuterung. Sie alle suchen ein cooles Leben.
Es kann ja schließlich nicht jeder der Knabe der Prophezeiung sein. 
Und wer will das schon? Ernsthaft?
Aber ein Hacker in der Zukunft? Mit Raumschiffen unterwegs von Planet zu Planet. Raumstationen, Habitate.
Hm …? 
Gibt es so etwas eigentlich auch in der Welt von Ninragon?

4. Januar 2013

Mein hyborisches Zeitalter




Nachdem ich in meinem vorletzten Post „Mein Weltraum-Zeitalter“ ein wenig darüber erzählt habe, wie ich zur Science Fiction kam, welche Leseerfahrungen ich machte und was mich besonders beeindruckt hat, möchte ich heute das Gleiche für das Fantasy-Genre umreißen.
Als Teenager liebte ich es, Fantasy zu lesen.
Science Fiction hatte ich, wie zuvor geschildert, schon früher entdeckt, aber ihrem exotischeren Bruder war ich zunächst noch nicht begegnet. Obwohl einige das aufgrund der Tatsache bestreiten würden, dass „John Carter“ zu meinen früheren Leseerfahrungen gehörte. Die Grenzen und Defintionen der beiden Genres sind umstritten. Ich selbst kann mich nicht ganz der Darstellung anschließen, Science Fiction als den rationalen Part, Fantasy als irrational hinzustellen, dem einen Wissenschaft, dem anderen Magie zuzuordnen. Sieht man sich den Status Quo an, drängt sich dieses Bild auf, ich halte die These aber nicht für inhärent. Ich glaube, dass die Magie in der SF lediglich einem positivistisch-wissenschaftlichen Weltbild näher steht. Magie ist sie trotzdem, auch wenn sie sich Technik nennt; d.h. beides ist ein Mittel um Dinge in einem Erzählkosmos möglich zu machen, die so in unsrer täglichen Wirklichkeit nicht funktionieren. Von ihren Wurzeln her steht Fantasy einem mythischen Weltbild näher, SF einem aufklärerisch-wisssenschftlichen. So die Theorie; die Wirklichkeit, die sich daraus entwickelt hat, sieht allerdings anders aus. Beide sind phantastische Genres. So wie man auch sagen könnte, dass jedes Genre ein phantastisches ist, da die Erzählwelten der Phantasie des Autors entspringen. Der Unterschied liegt darin, wie weit der Autor die Illusion schafft, dass sein Erzählkosmos mit dem allgemeinen Durchschnittsweltbild im Konsens steht.
Doch zurück zum Thema. Wie kam ich zur Fantasy?
Zuerst fiel mir irgendwo in einem Supermarkt in einem Taschenbuchständer das Cover eines Conan-Bandes auf. Es war das Titelbild von „Conan der Bukanier“. Das, was ich darauf sah, war für mich irgendwie nicht einzuordnen. (Der aufmerksame Leser entdeckt hier ein verbindendes Thema. Siehe John Carter. Dinge, die nicht einzuordnen sind erweisen sich als unwiderstehlich.) Dieses Buch passte in keine Kategorie, die ich bis dahin gelesen hatte. Es war irgendwie aufregend, es versprach eine neue literarische Welt. Es hatte natürlich irgendwie einen Trash-Appeal, aber das machte auch irgendwie einen Teil des Reizes aus. Ich war damals (wie heute) in meiner literarischen Empfinden und meiner Suche nach neuen Büchern von keinem Bewusstsein für Kategorien wie U und E, großer Literatur und Schund beeinflusst – wie ich schon vorher andeutete. Ich las im gleichen Alter James Joyce „Ulysses“ und wenig später Alfred Döblins „Meere, Berge und Giganten“ genauso wie SF, auch Heftromane wie „Perry Rhodan“ oder ähnliches. Es war mir egal, ich las, was mich unterhielt und was mir gefiel. Mir leuchtete nicht ein, warum ich dabei in Kategorien unterscheiden sollte, wie „das liest und empfiehlt auch mein Deutschlehrer“ und „das gibt es in der Lotto-Annahmestelle zu kaufen“. Was mir Spaß machte, machte mir Spaß. Daran hat sich eigentlich bis heute nichts geändert.
Ich kaufte mir den Conan-Band von meinem Taschengeld und tauchte ein in eine neue Welt.
Zauberer, Barbaren, uralte Zivilisationen, seltsame pseudo-historische Abhandlungen vom Aufstieg und Fall von Nationen, von Reichen, ganzen Völkern, die aus dem Dunkel der Geschichte auftauchten und wieder in diesem Dunkel verschwanden. Ich suchte mehr vom gleichen und fand die spärlichen Erzeugnisse, die damals vom englischsprachigen Markt langsam nach Deutschland überschwappten. Fletcher Pratts „Die Einhornquelle“, Fritz Leibers „Fafhrd und der Graue Mauser (es hieß zwar damals „Mausling“, aber für mich wird er immer der Mauser heißen), Versprengtes. Sehr ergiebig stellte sich mein Fund der Terra-Fantasy-Reihe heraus. Die brachten damals alles, was zu der Zeit an Fantasy essentiell war. Okay, „Brak der Barbar“ war ein echter Ausfall. Aber die Hexenwelt-Reihe! Die „Sword & …“-Anthologien von Lin Carter, die anderen Reihen von Robert E. Howard, die ich alle viel interessanter fand als seinen Conan. Abraham Merritt. Michael Moorcocks Zyklen um den Ewigen Helden. C.L. Moores Jirel of Joiry. Und dann Leigh Brackett! Was war das? Zuerst wusste ich nicht, was ich damit anfangen sollte. War das Science Fiction oder was? Auf dem Mars? Oder ist das Fantasy?
Aber dann war ich fasziniert.
Neue Welten öffneten sich für mich. Welch interessante Landschaften der Phantasie, was für spannende Szenarios.
Und zum ersten Mal stahl sich der Gedanke, die zarte Frage: Kann man diese ganzen Szenarios, diese Welten nicht auch mit Geschichten verbinden, wie sie Leute wie Siegfried Lenz oder Döblin erzählen? Ich wusste keinen Grund (und ich weiß noch immer, oder wieder keinen), der dagegen sprechen sollte. Wieso sollte ein bestimmtes Setting nur eine bestimmte Kategorie von Geschichten zulassen?
Ich las Howards „Kull von Atlantis“ und Musils „Mann ohne Eigenschaften“, und ich dachte, warum sollte ein Mensch, der in Howards Valusien lebte, nicht genauso ein Intellektueller sein wie Döblins Ulrich und sich mit denselben existenziellen Fragen beschäftigen?
Wie sagt es Bob Dylan? „Oh, I was so much older then, I‘m younger than that now.“
Ich las damals auch die Kane-Romane von Karl Edward Wagner, den man vergisst gerne als Wegbereiter der modernen Welle der Fantasy vergisst (was mir übrigens auch bei der Nennung der Namen gerne passiert, mea culpa!). Schon bei ihm gab es nicht mehr märchenhaft eine Trennung in Gut und Böse. Hier war alles ambivalent, jeder hatte seine Motive, selbst der am edelsten sich gebende Charakter hatte dunkle Fallgruben in seinem Herzen.
Die Schwarz-Weiß-Trennung war auch schon nicht mehr bei „Das gebrochene Schwert“ von Poul Anderson aufrecht zu erhalten, das zur gleichen Zeit wie der „Herr der Ringe“ erschien und einen interessanten ebenfalls auf der Edda wurzelnden Gegenentwurf zu Tolkiens idealistisch christlichen Bild schuf. In dem Elfen einfach nur fremdartig waren, Wesen mit anderen, kühleren Gefühlsregungen als die Menschen sie besaßen, in dem jeder seine Motive hatte, bei denen nicht viel nach Moral gefragt wurde, sondern für die ältere archaischere Werte galten.
Auch hier, genau wie bei der Science Fiction stellte sich irgendwann eine Phase der Zurückhaltung von diesem Genre ein.
Zu diesem Gerne zurückzukehren fiel mir allerdings schwerer als zur Science Fiction. Immer wenn ich in die Buchhandlung ging, um forschende Blicke auf die Regale mit Büchern des Genres zu werfen, das mich einstmals so begeistert hatte, schreckten mich Klappentexte ab. „Aber eine finstere Bedrohung erhebt sich fern im Norden von Kirchtroisgard in Gestalt des dunklen Herrschers…“ Danke! „Es erheben sich längst vergessene Mächte aus den Nebeln der Vergangenheit und der dunkler Baron Morogrott…“ Ja, erhebt ihr euch mal, aber ohne mich! „…als das Dorf seiner Pflegeeltern überfallen wird, muss der Knabe…“ Knabe? Statt den Schmarren zu lesen, gehe ich lieber, um mich an einem Biere zu letzen!
Irgendwann setzte ich mich dann hin und überlegte, wie müsse denn ein Fantasy-Roman aussehen, damit er mir gefallen könnte. Denn schließlich hatte ich das Genre mit Begeisterung gelesen. Und um weiter zu gehen, wie müsste eine Geschichte aussehen, in die ich mich schreibenderweise vertiefen könnte, die ich ernst nehmen könnte, um ganz in ihr zu versinken. Es entstanden die Entwürfe zu einer Geschichte, die „Lupus Rex“ hieß. Die ich aber dann nur als Exposee ausarbeitete und zu der ich etwa 120 Seiten verfasste, bevor ich feststellte, dass dies zwar strukturell Fantasy war, aber sich ansonsten außerhalb aller Genre-Konventionen stellte. Ich konnte mir eine lebenswerte Welt ohne Dosenbier und Trucks und Wüste einfach nicht vorstellen. Man gebe dazu Schwertkämpfe, kriegsmüde Veteranen, Kriegerorden mit arkanen Kampfmethoden, ein Prophet, der sich anschickt, die Unterprivilegierten einer Welt auf die „Zivilisation“ loszulassen, verschollene fliegende Festungen, eine Weltpolizei, mit Waffen von den Göttern, die auf verlorenem Posten steht und einige äußerst phantastische Kreaturen. (Irgendwann will ich diese Geschichte übrigens einmal zu Ende erzählen. Sie fasziniert mich derart, dass ich wissen muss, was genau in ihr geschieht. Sie muss erzählt werden! Vielleicht ist sie noch besser als:) Neuer Ansatz: Ninragon.
Und in der Mitte meiner Arbeit an diesem Roman sprangen sie plötzlich alle aus dem Gebüsch, und ich musste entdecken, dass ich nicht allein war. Auch andere waren gelangweilt von all den Knabe der Prophzeiung und den dunklen Herrschern, dem wackeren, dörflich lebenden Volk der Halbheiten. Ich entdeckte sie nach und nach, die Brüder im Geiste: Richard Morgan, den ich schon aus der Science Fiction kannte, Joe Abercrombie, R. Scott Bakker und den Paten der modernen Fantasy (neben Karl Edward Wagner) Glen Cook. Die sich auch an den Quellen zwischen den anderen Wurzeln der Fantasy ihre Erfrischungen holten, den dunkleren, schmutzigeren, western-mäßigeren: Sword & Sorcery.
Dies war also mein Weg zur Science Fiction, dies war mein Weg zur Fantasy.

3. Januar 2013

Schiller!

Endlich ist er wieder erhältlich: mein Schiller-Comic.


Die erste Auflage war ziemlich schnell ausverkauft, trotzdem wurde dieser Comic nie mehr nachgedruckt. Noch Exemplare davon zu bekommen, stellte sich selbst für mich als schwer heraus. Was lag also näher, als diesen Comic wieder einer neuen Leserschaft zugänglich zu machen.
Und hier kamen die Leute von Mad Dog Comics ins Spiel.
Ich freue mich verkünden zu dürfen, dass "Schiller!" im digitalen Zeitalter angekommen ist. 
Das heißt, "Schiller!" wurde für die E-Comic App von MadDogComics bearbeitet und ist daher auf jeder digitalen Plattform lesbar. Genau wie ein eBook.
Geht zur Seite von MadDogComics und schaut euch dort die Infos über die App an und ladet sie herunter. Sie ist genial und innovativ und ermöglicht auf allen Geräten einen optimalen Lesefluss. Nicht umsonst hat sie den Android Apps-Award als beste Comic-App erhalten.
Ich freue mich sehr, dass diese Zusammenarbeit mit MadDogComics zustande gekommen ist. Diese Company ist ein Zusammenschluss von tollen Leuten mit innovativen Ideen, die mit ihrer App genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Und ich denke, dass man von ihnen in Zukunft noch viel Gutes und Neues erwarten darf.
So ist auch die Veröffentlichung von "Schiller!" als eComic nur der Anfang.
Geplant ist, nach und nach, alle meine Comics auch in digitaler Form wieder zugänglich zu machen. Dabei kann es durchaus sein, dass auch einiges an unveröffentlichtem Material wieder an die Oberfläche gespült und der Leserschaft zugänglich gemacht wird. Mehr dazu werde ich zu gegebener Zeit hier auf meinem Blog oder auf meiner Homepage bekanntgeben. Hold on to your hats! Vielleicht gibt es für alte Comic-Hasen noch eine Überraschung.
Doch zunächst möchte ich euch hier diesen ersten Leckerbissen in Neuauflage präsentieren.
Vorhang auf! 
MadDogComics und Horus W. Odenthal proudly present:


2. Januar 2013

Mein Weltraum-Zeitalter



Zu Anfang dieses Jahres möchte ich ein paar Gedanken zu den beiden Genres, in denen ich literarisch tätig bin, festhalten. Heute möchte ich, angeregt durch einen Thread im Forum von fantasybuch.de, etwas über meinen Weg zur Science Fiction sagen. Es folgt dann mein Weg zur Fantasy, und am Ende möchte ich beide Genres ein wenig gegenüberstellen. 
Man erwarte bitte nichts vom Format eines Essays; es geht hier nur um ein paar persönliche Betrachtungen und Gedanken, um meine Haltung zu diesen phantastischen Genres.
Während meiner ganzen Zeit als Leser habe ich immer Bücher ungeachtet ihrer Genres gelesen, d.h.ich habe parallel phantastische Bücher und die jener Genres gelesen, die man normalerweise als allgemeine Literatur bezeichnet, ungeachtet ob sie von den Nerds der Literaturwissenschaft als hohe Literatur oder Schund beurteilt wurden. Wie in allen Bereichen des Lebens gilt auch hier für mich die Maxime: Urteilen macht blind, interpretieren erweitert den Blick.
Meine erste Begegnung mit Science Fiction hatte ich ich über „John Carter vom Mars“. Als erstes waren die grünen Tarzan-Bücher im Schreibwaren- und Zeitschriftengeschäft meines Heimatdorfes aufgetaucht, und ich hatte sie mit Genuss verschlungen. Dann tauchten neben diesen grünen plötzlich rote Bände vom gleichen Autoren Edgar Rice Burroughs auf, deren Rückentext mich sehr verwirrte, da ich ihn einfach nicht zuordnen konnte. Was sollte das für eine Geschichte sein? Das versprach bizarr, exotisch zu sein und passte in keine Kategorie, der ich bisher begegnet war.
Was für mich bedeutete: Ich musste diese Bücher haben!
Als es mir schließlich gelang, genug Taschengeld dafür zusammenzukratzen und sie in eine Umgebung zu schmuggeln, die für dergleichen, gelinde gesagt, unempfänglich war, erwartete mich eine Offenbarung.
So etwas konnte man als Buch schreiben? Nicht nur die Phantasie sondern auch, was man zwischen zwei Buchdeckel bannen konnte, kannte keine Grenzen? Wow! Wenn es möglich war, einfach einen Mann aus der Wildnis von Arizona auf den Mars zu transportieren und ihn dort in eine derart phantastische Szenerie zu versetzen, daraus eine fortlaufende Erzählung zu spinnen … dann war es ja möglich, fast jede Art von Geschichte zu schreiben, so abgedreht und absurd die Idee auch zunächst erscheinen mochte. Man musste sie nur mit Worten, Sätzen, Bildern und Leben füllen. 
Von diesem Zeitpunkt an war ich auf der Suche nach allem, was mir phantastisch erschien. Ein Kurzgeschichten-Band von William Voltz, ein paar Alan Burt Akers, alles was die Provinz und die Drehständer in den Supermärkten hergaben.
Es folgte bald die Entdeckung der Fantasy, aber davon will ich beim nächsten Mal berichten. Es genügt hier zu sagen, dass ich parallel zum „Herrn der Ringe“ auch bald auf den „Wüstenplaneten“ von Frank Herbert stieß. Ich verschlang mit großer Begeisterung alles, was damals erhältlich war, also die erste Dune-Trilogie. (Witzigerweise parallel zu James Joyces „Ulysses“.) Ich las weiterhin, was mir in die Hände fiel: Joe Haldemanns „Der ewige Krieg“, Star-Trek-Romane, Asimov, A.C. Clarke, Philip K. Dick fand ich großartig und hat mich lange begleitet und beeindruckt, mein Lieblingsbuch war „Der dunkle Schirm“, die silberne Reihe von Knaur mit Philip José Farmers „Die Liebenden“, Joe Haldemans „Der befleckte Engel“ (ganz groß) und „Das fremde Virus“ von seinem Bruder Jack C. Haldeman bis hin zu George R.R. Martins „Die Flamme erlischt“, das für mich neben Dune für lange Zeit das Non-Plus-Ultra der SF darstellte. Samuel R. Delanys „Dhalgren“, Heinlein natürlich, kein Lem, A.E. vanVogt, John Brunners „Schockwellenreiter“ (großartig!), Andre Norton, E.E. Smith … Zwischendurch Alfred Döblins Berge, Meere und Giganten, das wohl mit Michael Moorcock in meinem Kopf einen bizarren Mix nicht-existenter Bücher erschuf.
An die nächsten Science-Fiction-Bücher, die mich wirklich beeindruckt haben, kam ich auf dem Umweg über die Fantasy. In der Terra-Fantasy-Reihe, der ich damals folgte, tauchten plötzlich – genre-unrein – die Mars-Bücher von Leigh Brackett auf, die mich sehr begeisterten und inspirierten. Zunächst wusste ich mit diesem Mix wenig anzufangen, aber schließlich begeisterten mich die von ihr geschaffenen (von und aus gesehen nostalgischen) Welten, die melancholische Stimmung dieses Planeten Mars, mit seinen längst ausgetrockneten Meeren, seinen Legenden von längst vergangener Größe, den vom Sand bedeckten Städten, den wilden Nomadenstämmen. Alles inspiriert von der Landschaft des amerikanischen Südwestens – genau wie Ray Bradbury mit seinen Mars-Chroniken, genau wie Burroughs mit seinem John Carter ganz am Anfang dieser Tradition.
Ich mochte diese Planetengeschichten sehr, und Eric John Stark habe auch später in der Gestalt von Dugan in „Hyperdrive“ bewusst meine Reverenz erwiesen. 
Die nächste Autorin, auf die ich traf und die mich nachhaltig beeindruckte, war C.J. Cherryh. Diese Art von 80er-Jahre-SF ist für mich auch heute noch immer Old-School-SF, but in a good way. Klare Geschichte, realistische Welten und Motivationen, kein Schwarz und Weiß, politische Verstrickungen, Lavieren aller Beteiligten. Story nach vorn, keine wissenschaftlichen Theorien, die mühsam in Plots gekleidet werden. Kein Meta-Dialog von SF-Autoren untereinander (was einem im letzten Jahrzehnt schon einmal die SF vergällen konnte und auch wohl große Leserschichten abschreckte).
Ich habe dann über lange Zeit weder SF noch Fantasy gelesen. Ich kehrte zurück, zu einer Zeit, als ich mich auch neu dem Schreiben widmen wollte. Und zu diesem Zeitpunkt war es für mich wichtig, das aufzuholen, was ich vielleicht verpasst hatte. Ich habe mich also durch die ganze Meisterwerke-der-SF-Reihe von Heyne gelesen und machte viele literarische Entdeckungen. Von William Gibson war ich begeistert. Und ich bin es noch immer. Sein Schreibstil ist überragend. Er ist für mich ein ganz großer Schriftsteller und großartiger Stilist. Der Anfang von „Count Zero“ gehört wohl zum Besten, was ich in der Literatur kenne. Das reißt mich mit wie ein guter Hemingway. David Brin mochte ich. Mary Doria Russells „Sperling“. (Das interessanterweise ursprünglich nicht als SF vermarktet wurde, dies aber glasklar ist und zum besten in diesem Genre gehört.)  Einige Roman von Bruce Sterling. So das ganze Cyberpunk-Umfeld mitsamt der Gegenbewegung. Lois McMaster-Bujolds Vorkosigan-Serie habe ich am Stück weggelesen, fand sie großartig. Bei ihr fand ich die gleichen Qualitäten wie bei Cherryh. Großartige charaktergesteuerte Plots, tolle Twists, wirklich starke Charaktere. Leider ebbte sie am Schluss aus und wurde mir zu operettenhaft, war aber noch immer lesenswert und spannend.
Iain Banks gehört für mich zu den ganz Großen der Science Fiction. „Bedenke Phlebas“ ist für mich ein Meilenstein. Banks schriebt in diesem Buch Sequenzen, von denen man glauben könnte, sie würden nur im Film funktionieren. Ich habe anfangs nicht einmal bemerkt; es kam mir ganz natürlich vor. Als mich jemand darauf hinwies, fiel mir auf, dass die meisten Schreiber so etwas nicht können oder nicht machen. Das ist vielleicht, weil ich aus einem anderen Medium komme und diese Schranke, was in einem Medium geht und was nicht, in meinem Kopf nicht existiert. Ähnliches habe ich, wie ich jetzt im Nachhinein bemerke – vielleicht weil ich mir eben dieser Schranken nicht bewusst war – bei „Ninragon“ gemacht; in den Schlachtszenen. Ich störe mich auch nicht an dem, was die meisten als unnötige Längen bezeichnen. Ich kann mich großartig in seinen Büchern verlieren. Ich finde in „Der Algebraist“ ist er wieder – ganz anders – zu seiner alten Spitzenform aufgelaufen.
Richard Morgan gehört für mich zum Besten, was moderne Science Fiction zu bieten hat. Seine Takeshi-Kovacs-Romane sind großartig. Wie „Die Hard“ auf Meth aber hoch-literarisch. Höchst unterhaltsam und doch mehr als Unterhaltung. Plastisch und anspruchsvoll. Morgan stört sich nicht daran, dass SF angeblich „doch nur Genre-Literatur“ sein soll. „Skorpion“ ist genau so großartig. Und natürlich seine Fantasy-Sachen.
Außerdem liebe ich Dan Simmons Hyperion-Roman. Wobei ich die letzten beiden für die besten halte. Auch hier stören mich manche Längen weniger als andere Leser. Ich wünschte mir Simmons würde wieder so etwa schreiben statt dieser Recherche-Schlachtfeste der letzten Zeit. Ich fand es schade zu sehen, wie er sich in den Themen und seiner eigenen Recherche verliert. Daneben bemerkenswert fand ich noch Joels Shepherds „Crossover“ und Stephen R. Donaldsons „Gap-Sequenz“ (die ich allerdings noch zu Ende lesen muss.)
Vieles an Science Fiction liegt bei mir noch auf dem Stapel „Muss ich unbedingt lesen“. Viel zu viel.
Mit Leuten wie Alastair Reynolds habe ich es mal versucht, bin aber nicht rangekommen. Genauso ging es mir mit den ganzen Leuten im Schwerkraftfeld dieses Singularitäts-Hypes. Das war für mich zu sehr Literatur für SF-Spezialisten und ich hatte den Eindruck, da ist der Meta-Dialog der SF-Autoren untereinander wichtiger, als dem Leser in größter Klarheit und Unterhaltsamkeit eine gute Story zu vermitteln.
Ich habe jetzt lange Zeit wenig Science Fiction gelesen, auch weil meine Lesezeit sehr begrenzt ist. Aber es ist mein fester Vorsatz bald wieder verstärkt zu dieser alten Liebe zurückzukehren.

So, und das nächste Mal geht es um meinen Weg zur Fantasy.
Wer nachlesen will, wie ich selber mit Science Fiction umgegangen bin, kann das in meinem Roman „Hyperdrive“ tun. Ihr findet alle sechs Teile in der rechten Spalte unter „Veröffentlichungen“.
See you on the Range!

1. Januar 2013

Ausblick




Was kommt im neuen Jahr?
Vieles an den Details dessen, was mich 2013 – was hoffentlich uns alle – 2013 beschäftigen wird, ist noch unklar. Vieles davon hängt von den Partnern ab, mit denen ich diese Pläne verwirklichen werde. In diesen Punkten werden die ersten Wochen des neuen Jahres Klarheit bringen.
Aber die große Richtung ist klar. Der Weg ist, die Welt weiter zu erforschen, die ich in „Ninragon“ aufgebaut habe. In der Tiefe, in den Raum und in die Zeit. Noch ist nicht ganz klar, in welche Gegenden und welche Zeiten mich diese Erforschung bringen wird. Ich weiß, woran ich arbeiten werde. Ich weiß noch nicht, was meine Leser als nächstes von mir zu sehen bekommen.
Es gibt vieles zu entdecken. Was hat es mit der Kutte auf sich? Wie arbeitet dieser Geheimdienst und welche Rolle spielt er in den schweren Zeiten, die über das Idirische Reich hereinbrechen? Was geht in der Loge des Einen Weges vor? Welchen Handel haben sie tatsächlich geschlossen und was bedeutet der für diese Organisation, für das Idirischen Reich und ihre Verbündeten? Was ist mit Eisenkrone? Welche Pakte hat er geschlossen? Was bewegt ihn? Wohin werden ihre Forschungen den Neuen Ring, der sich um Auric und Darachel gebildet hat, bringen? Und, und, und. „Ninragon“ hat den Boden bereitet. Die Geschichte Auric des Schwarzen ist erzählt, was geschieht jetzt weiter in dieser Welt und mit all den anderen Figuren und Organisationen, die wir hier kennenlernten?
Wir werden es gemeinsam entdecken. Das ist der Plan für 2013.
Und dieses „Wir“ ist wichtig.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal allen danken, die mich in diesem Jahr, in dem Ninragon die Bühne der Öffentlichkeit betrat, begleitet und unterstützt haben. Neben all den Leuten, die mir direkt Beistand geleistet haben, sei es durch ihr Lektorat, ihre Cover, sonstige Hilfe, die Verbreitung von Meldungen zu den Publikationen, damit, dass sie die Werbetrommel gerührt haben – ihr alle wisst, wer gemeint ist –, danke ich vor allem meinen Lesern. Ohne sie wäre das alles nicht möglich und auch sinnlos. Ich kann mich ganz allein in eine stille Kammer setzen und endlos Geschichten schreiben – doch das würde gar nichts bedeuten. Es geht darum, mit meinen Lesern all diese unbekannten Länder und Zeiten zu erkunden. Nur die Leser öffnen den Vorhang und lassen Licht in meine Schreibkammer, machen aus einem eitlen Unterfangen eine wunderbaren Prozess der Entdeckung.
Die Leserunde zu „Ninragon“ – die mir ungeheuer Spaß gemacht hat – hat mir diesen Aspekt noch einmal deutlich vor Augen geführt: Man entdeckt dieses Land nur gemeinsam.
Da draußen liegt eine wunderbare Welt, und ich freue mich darauf, sie mit euch gemeinsam zu entdecken. 
Ich bedanke mich bei euch allen und freue mich auch weiterhin über eure Begleitung auf dem Weg durch die Welt von Ninragon.
Auf „Homunkulus“, „Sphärenbrand“, „Der Schatten des Generals“, „Interregnum“, „Lupus Rex“. Hoffentlich auf eine baldige Fortsetzung von „Hyperdrive“.
Auf ein gutes 2013!