11. März 2013

Wir sind Thron!


Die zweite Staffel von Game of Thrones ist über Deutschland hinweggegangen. Sie wurde mehr oder weniger heftig in Facebook diskutiert. Und ich weiß jetzt wieder ein wenig mehr, warum ich meine Ninragon-Geschichten so schreibe, wie ich sie schreibe.
Zunächst, und das war auch der Gegenstand der Diskussion, tat mich sehr schwer mit der Sprache. Und dem ganzen Mittelaltergedöns. Besonders krass ist dieses Erlebnis durch den Gegensatz mit den anderen TV-Serien, die ich mir so anschaue. „Justified“, „The Shield“, „Breaking Bad“ und allen voran meine Lieblingsserie ever „Sons of Anarchy“. 
Ich sah mir die erste Folge der zweiten Staffel „Game of Thrones“ an, und ich habe die Charaktere einfach nicht geglaubt. Die sprachen im Gegensatz zu den Personen in den erwähnten anderen Serien hölzern, sperrig, artifiziell. Im besten Fall war ihre Sprache angenehm neutral. Ansonsten verstaubt altertümelnd. „Möget ihr …“, „Behaltet Platz …“. Lauter Ge-Ihrse und Ge-Euerse. Keiner mit einer Sprache aus dem Leben wie Clay, Gemma oder Vic Mackey. Hey, ich meine, auch wenn das Setting mittelalterlich ist, die Leute empfinden sich deshalb doch nicht als in der Vergangenheit lebend. Und selbst wenn man am Hof aufgewachsen ist, versucht man nicht zu sprechen, wie irgendwelche Figuren aus altertümlichen Dramen. Man spricht Gegenwartssprache, vielleicht gedrechselt, ein bisschen abgehoben, aber Gegenwartssprache. Und wie bringt man so etwas rüber? Gegenwärtig? Vielleicht hören sich die Dialoge an wie das Geschwätz von Politikern. Oder papieren wie der Kulturteil. Aber wer spricht denn altertümelnd? Außer er verbindet einen bestimmten Zweck damit. Oder eine bestimmte Rolle oder Posten. 
Alles andere als Gegenwartssprache schafft eine Distanz zu den Figuren.
Alles wirkt, wie die Kollegin Susanne Gerdom so trefflich formulierte „aufgesagt“.
Und schließlich sollte man nicht vergessen, dass in einer Sekundär-Welt-Fantasy, wie Game of Thrones sie darstellt, eine (mehrere) imaginäre Sprachen gesprochen werden, die es für den Leser oder Zuschauer gilt, in unsere Sprache zu übertragen. Warum dann nicht in unsere Gegenwartssprache? Warum in die (relativ pseudo-mäßige und zusammengekünstelte) Sprache einer Vergangenheit. 
Wenn jeder Charakter sich doch (naturgemäß) als gegenwärtig empfindet.
Das hat mich immer an Fantasy gestört. Und daher habe ich bei „Ninragon“ versucht, es anders zu halten.
Bei „Game of Thrones“ musste ich mich auch diesmal durch die Schicht des Widerstands durcharbeiten. Und anders als bei der ersten Staffel, bei der das Interesse am Plot, was denn nun eigentlich geschieht, wie es jetzt weitergeht, auf mich übersprang, habe ich diesmal nicht wirklich einen Zugang zum Geschehen gefunden.
Ich möchte darauf hinweisen, dass ich den größten Respekt vor George R.R. Martins Schreiben und seiner Serie habe. Er war mit "Game of Thrones" ein Pionier, der neue Wege beschritt und für folgende Autoren ebnete. Sein Roman "Dying of the Light" zählt zu meinen Lieblingsbüchern. Ich habe eben für mein eigenes Schreiben andere Vorlieben und habe beschlossen selber andere Wege zu beschreiten. Das ist natürlich in der Evolution eines Genres.
Auf den anderen Aspekt bei „Game of Thrones“, demgegenüber ich mich bei „Ninragon“ ebenfalls zu einer anderen Herangehensweise entschlossen habe, stieß ich, als ich meine Frau nach voller Dröhnung der zweiten Staffel fragte, wie sie es denn abschließend gefunden habe.
„Unbefriedigend“, war die Antwort. „Es passiert unheimlich viel, aber trotzdem hat man das Gefühl die Handlung kommt nicht voran. Ich will wissen, wer die Hauptpersonen sind. Alle? Das ist für mich keine gute Antwort. Ich will wissen, wie eine Geschichte weitergeht und was eigentlich die Geschichte ist.“
Und ich dachte bei mir, dass hier das zentrale Problem der Serie, des Buches wie der TV-Bearbeitung herauskommt. Und auch warum George R.R. Martin so große Probleme hat, die Serie weiterzuführen und zu beenden.
Sie verfasert sich in unendlich viele Nebenstränge, sie fächert sich auch. Um alle Handlungsstränge aufzugreifen und weiterzuführen kann man jeder Figur nur geringe Zeit gewähren und die Gesamtstory kommt elendig langsam voran.
Sie verliert den Fokus.
Aus diesem Grunde habe ich mich bei „Ninragon“ ausdrücklich gegen eine solche Erzählweise entschieden.
Eine Geschichte, ein Erzählstrang steht im Vordergrund, wie Auric der Schwarze zu Ninragon wird und die Geschichte seiner Freundschaft mit Darachel, dem Ninraé. Alle anderen Nebenfiguren haben ihren Auftritt, wo sie für diese Figur und diesen Roman eine Rolle spielen und verschwinden wieder. Nach dem Motto „… aber das ist eine andere Geschichte“. Und das ist es auch.
Einige davon werden erzählt werden. Auf jeden Fall wird der Leser nach „Ninragon“ einen Blick darauf erhalten, wie die Geschichte der Welt weitergeht. Nicht die Geschichte der Welt ist das Thema, die Geschichten der Menschen darin sind es. Und meine Vorgehensweise ist es, ihren Erzählstrang, ihre Geschichte aus dem gewaltigen, ausufernden Geflecht und Verstrickungen der Geschichte herauszuarbeiten, herauszuschälen, dass sie für sich einen Sinn ergeben. Wie ein Roman es tut. Die Welt dreht sich weiter, nachdem ihre Geschichte erzählt ist. Manchmal kann es auch die Geschichte mehrerer Hauptpersonen sein. Aber immer ist es eine einzelne Geschichte. Aus ihre Gesamtheit ergibt sich eine Vista, wie Martin das in seinen Romanen versucht.
Manche Leser haben das Gefühl, das einige Fragen unbeantwortet bleiben. Ich sage, keine wesentliche Frage zu „Ninragon“ bleibt unbeantwortet. Sicher gibt es Dinge oder Personen, über die man nach Ende des Romans mehr erfahren möchte.
Gut! 
Aber das ist eine andere Geschichte …

Kommentare:

  1. Freut mich zu sehen das Du bei Deiner Auffassung, so zu schreiben wie Du es tust, treu bleiben wirst. Anderes würde aber auch nicht passen, wenn man Deine bisherigen Werke im Autorentum gelesen hat. Noch mehr freut es mich, dass ich mit meiner Meinung nicht allein bin. Habe die erste Staffel gesehen nachdem ich die Bücher bis zur langen "Schaffenspause Martins" schon vor Jahren gelesen hatte und fand es nicht schlecht. Nun wurde die zweite Staffel mit einem Freund angesehen, der die Bücher nicht kennt, und somit auch nicht den bis dato bekannten Plot. Im Zuge der Staffel muss ich wohl immer öfter gestöhnt haben ob der Sprache als auch der Darstellung der Charaktere...es kotzt mich an (verzeih die Ausdrucksweise)das hochtrabend auf Mittelalter gemacht wird, und zwischenzeitlich vor Schmutz starrende Personen auftreten, und im nächsten Moment wieder die hübschen, schöngeföhnten Personen in bester Fotoshop Manier dargestellt werden. Darüber hinaus gelingt der Staffel eben nicht, dass die Erzählstränge übersichtlich oder weiterführend wirken. Auf die Mahnung meines Kumpels doch endlich die Klappe zu halten, habe ich mich im weiteren Verlauf dann doch eher meinem Smartphone gewidmet (dem Frieden willen) um im Anschluss zu erfahren, dass besagter Kumpel über die Staffel geschimpft hat ;-).
    Sofern die Frage erlaubt ist, was hälst Du von der Malazan Book of the Fallen (Spiel der Götter) Reihe von S. Erikson?

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  2. Steven Ericksons "Malazan Book of the Fallen" halte ich für einen absoluten Meilenstein des Genres, eine wahnsinnige Leistung, die erst einmal überboten gehört. Ob sie in allem wirklich erfolgreich ist, bleibt fraglich. Ist für mich gegenüber dem gewagten Unterfangen aber zweitrangig. Die Handlung ist zwar ähnlich komplex, wenn nicht komplexer als bei Martin, aber er schildert nicht alles in einem Buch, er schält ebenfalls Geschichten heraus. Auf manche der aufgeworfenen Antworten muss man zwar ein paar Bücher (oder ewig?) warten, aber das ganze erhebt den Anspruch pro Roman zu einer gewissen Einheit gebündelt zu sein. Dann wir der Erzählstrang auch einmal erst beim übernächsten Roman aufgegriffen. Erikson geht davon aus, dass es auch im wahren Leben keine sauber geknüpften Enden gibt, bei denen sich alles auflöst. Insgesamt spricht mich diese Erzählstrategie (und ich beziehe auch die Bücher seines Kumpels und Mit-Weltenschöpfers Esslemont mit ein) mehr an als die von Martin. Wobei ich zugeben muss, dass ich "Song of Ice and Fire" nie ganz gelesen habe, nicht einmal das erste Buch; ich bin bei vier Anläufen gnadenlos verreckt. Auch Malazan habe ich nicht vollständig gelesen, bin aber sehr gespannt, wie Erikson das lles in Crippled God zu Ende bringt.

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