31. März 2013

„Welt des Ninragon“, die Siebte, Sonntag


Heute zum Sample-Sunday gibt es den letzten Textausschnitt der Ninragon-Woche.
Der heutige Auszug führt uns an den zeitlich am weitesten von der Ninragon-Trilogie entfernten Punkt in diesem Kosmos, in die ferne Zukunft.
Viel Spaß beim letzten Kurztext.

Er kam aus der Wüste mit einer Jeans am Arsch, einem T-Shirt auf den Rippen, dem alten Armeemesser an der Hüfte und dem Shaft-Schwert auf dem Rücken. Den Rest konnte man getrost vergessen: Ein paar fadenscheinige Sneakers, die fast ihre Sohle verloren, ein paar Scheine, eine Kreditkarte in der Tasche, die im Moment und an diesem Ort den Namen nicht verdiente. Das Ti war irgendwann mal weiß gewesen, jetzt war es verdreckt und zerfranst, die Jeans war nicht mehr fabrikneu zu nennen, aber es war seine Jeans. Nur das Shaft-Schwert: Es war ein 85Bi-Standardmodell, aber nach den Jahren lag es ihm in der Hand, wie es bei einer Maßanfertigung von Shikuzi nicht hätte besser sein können.
Er war diesmal sehr lange in der Wüste gewesen und hatte der Einsamkeit so lange ins Auge gesehen, dass die Steine angefangen hatten, zu ihm zu sprechen. Die ferne Bergkette des Hengist Ridge hatte den rechten Rand seiner Welt begrenzt; er hatte sich bemüht, ihr fern zu bleiben, und hatte seine Schritte, sobald ihre grauen Grate am Horizont emporragten, wieder tiefer ins Herz der Wüste gelenkt. 
Es hatte eine lange Zeit gebraucht, aber dann hatte er nachdem er, einmal in der Wüste war, nichts mehr gefühlt als die Hitze, die vom Himmel wie eine Sturzflut auf ihn herabstürzte, und die kompakte Trockenheit der Erde, auf der er wanderte wie auf dem vergilbten und zerschrundenen, weit aufgespannten Fell einer titanischen Trommel. Er hatte angefangen auf sich selber zu schauen, wie man auf eine Wand oder einen Felsen schaut – eine Barriere, die weder Schemen noch Licht hindurch lässt, glatt und kalt und eben – mit gleichgültigem und fühllosem Blick, und so war er lange Zeit zufrieden gewesen. 
Gute Dinge dauern nicht ewig, das war das bekannte Problem. 
Die Sonne brannte seinen Geist aus wie Flaschen hochprozentigen klaren Fusels, doch sie brannte lange und sie brannte stark; sie brannte so unablässig, dass seine zufriedene Betäubung porös wurde und Löcher bekam. Und irgendwann war ein Tag gekommen, an dem die Wand, auf die er bisher mit trostreicher Gleichgültigkeit geblickt hatte, sich auftat und er hindurchging.
So kam Dog Jamison aus der Wüste herausgestolpert, weil er wusste, dass diese Zeit zu Ende war und dass sie ein Ende haben musste. Doch viel mehr wusste er nicht.

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