18. Dezember 2012

Das Geheimnis des Schreibens


Als Geschichtenerzähler arbeite ich schon lange. Aber ich habe vor einiger Zeit eine bedeutende Veränderung vorgenommen, von der ich auch in diesem Blog berichtet habe: Ich habe das Medium geändert. Ich bin von einem Comic-Erzähler zu einem Schriftsteller geworden.
Wie hat das mein Leben und meine Arbeit verändert?
Es gibt in meinem jetzigen Arbeitsalltag eine Menge Dinge, die mir bekannt sind, aber auch eine Menge Dinge, die mir neu sind.
Okay, da ist zunächst die eigentliche Arbeit: das Geschichten-Erzählen. Das kenne ich ja nun vom Comic her. Trotzdem hat sich in diesem Prozess durch den Wechsel des Modus (oder des Mediums, je nachdem, wie man es sehen will) einiges geändert.
Einiger der oberflächlicheren Aspekte, die sich geändert haben, ist, dass ich nicht mehr während der Arbeit Musik höre. Jedenfalls in der Regel nicht. 
Wenn die Story einmal geschrieben und layoutet/skizziert war, ging‘s ans Zeichnen, und dabei konnte man herrlich die Anlage aufdrehen und sich die Haare wegblasen lassen. Ein großer Teil des Zeichnens war für mich einfach nur noch Routine und Fleißarbeit, die erledigt werden musste, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Will heißen, wenn eine Massenszene im Drehbuch stand (das ich schließlich selber geschrieben habe, deshalb konnte ich auch niemand anderen verfluchen), dann wurden eben Massen gezeichnet – und keine einfache Ausflucht –, egal wie mühsam, langwierig und zermürbend das von der Arbeit her auch war. Und dann hilft manchmal nur: Alle Regler nach rechts, gib den Jungs eine Chance!
Jetzt, wenn ich schreibe, ist Musik eher kontraproduktiv. Die Musik die ich höre, sollte die Klangmelodie des Satzes sein. Da brauche ich den klaren Kopf als Co-Pilot, der die verschiedenen Aspekte, die Ebenen der Story, die Struktur zusammenhält. Damit das instinktive Vieh in meinem Bauch, das den Großteil der Schreibarbeit leistet, nicht vollkommen die Kontrolle übernimmt. Gib ihm Futter, aber lass niemals die Käfigtüre auf!
Der Charakter der Arbeit ist ein anderer geworden, der Fluss ist anders. Es ist eben stärker ein Fluss, weniger zerhackt, weniger ein Springen zwischen dem einen und dem anderen Mittel um einen bestimmten Effekt zu erreichen. Ich glaube, das Machen eines Comics ist mehr mit der Arbeit eines Filmregisseurs zu vergleichen. Es ist sehr synthetisch; es setzt zusammen. Der Charakter der Schriftstellerei geht dagegen sehr an die Quellen des Geschichten-Erzählens, dem mündlichen Erzählen. Es ist ein steter Strom von Worten, eins an das andere gereiht. Wobei die Moderne und ihre kulturellen Einflüsse, die Arbeit im Endeffekt doch etwas komplizierter – und vor allem interessanter macht.
Ich liebe diesen Prozess, den stetig aufrechterhaltenen Traum, der Schreiber und Leser miteinander verbindet. Es gibt nichts, was ich lieber tun würde. Wie ein Comic funktioniert lässt sich zergliedern und ergründen. Wie ich schon sagte: Synthese. Und der kann eine Analyse vorausgehen. Schreiben, wie das funktioniert – es gibt einige kluge Bücher darüber. Aber es bleibt in letzter Linie ein Geheimnis.

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