12. November 2012

Was will der Autor uns sagen?


Es gibt derzeit eine interessante Leserunde zu „Ninragon“ im Forum der äußerst empfehlenswerten Seite fantasybuch.de. Es ist eine kleine aber feine Runde, zu der ich dort eingeladen wurde, und als ich mir die ersten Beiträge angeschaut habe, bin ich mit Freude dieser Einladung gefolgt. 
Ich habe mit Vergnügen die Interpretationen verfolgt und habe mich gefreut, wie viel von dem, was von mir aus in das Buch eingegangen ist, dort verstanden wurde. Zum Teil hat das Ganze ein sehr hohes Niveau, und es erfüllt mich mit Freude, etwas geschaffen zu haben, was einige Menschen so tief und nachhaltig beschäftigen kann.
Wobei ich immer wieder betonen muss, dass all diese Bedeutungsebenen und Metaebenen nicht das Wesentliche sind.
Das Wesentliche ist die Ebene der Geschichte, die unterhält, spannend ist, im günstigen Fall den Leser gefangen nimmt und nachhaltig in die Gedankenwelt der Geschichte abtauchen lässt, in die Figuren eindringen, mit ihnen fiebern und spekulieren lässt. All das andere mag der entdecken, der Geschmack daran findet. Er ist herzlich willkommen; ich freue mich über jeden, denn ich habe viele Gedanken und noch mehr Gefühle, Instinkte und Intuition in diese Geschichte gesteckt. Es ist wie bei einem guten Bier. Manche davon haben einen sehr komplexen Geschmack, der sich erst nach und nach im Gaumen entfaltet und bei dem verschiedene Noten einander überlagern. Es sollte uns allerdings munden. Ein Bier, das komplex scheußlich schmeckt, will niemand trinken.
Das ist die Arbeit des Autors: Er strickt ein Garn, entwickelt ein Geflecht, das komplex genug ist, die Aufmerksamkeit zu fesseln und die Arbeit und Zeit, die der Leser in die Lektüre steckt, mehr als rechtfertigt. Er entwirft den Plot, er legt die Figurenkonstellation fest, er erfühlt ihre Bedeutungen und Beziehungen in der Geschichte und in den verschiedenen Ebenen, lässt sie schillern. Er steckt seine Arbeit, seine Persönlichkeit, seine Ratio, seine Emotionen, seine Seele, seine Instinkte, seine Intuition hinein. Dabei webt er langsam eine komplexe Aussage, die sich in eine Geschichte kleidet. Könnte er sie in etwas anderes fassen, in einen kurzen Absatz oder ein Essay, würde er das vielleicht tun. Doch er hat andere Arten zu denken. Narrative. Er denkt in Geschichten. Er hat eine Figur, eine Situation, einen Konflikt als Vorwurf, als Projektionsfläche. Am Widerstand dieser Geschichte, dieses Themas arbeitet er sich ab. Es soll nicht nur passieren. Das würde keinen fesseln. Sinnlose Abläufe hintereinander gestellt, egal wie viele Explosionen sich dabei ereignen, halten keinen Leser bei der Stange. Es muss passen. Es muss sich fügen.
Hier sagen einige Heldenreise.
(Wobei zur Heldenreise einiges zu sagen wäre; ich denke sie ist von vielen missverstanden worden. Sie ist kein Rezept, sie ist ein Vokabular.)
Ich dagegen sage Seelenreise. Am Widerstand der Geschichte, am Zwang, dass alles passen muss, taucht der Erzähler ab in seine eigene Seele. Wie die Geschichte aussehen muss, damit sie passt, das kann nur er beantworten. Die Gültigkeit, die Validität der Geschichte ist seine Wahrheit. Die beantwortet kein Schema. Die Geschichte stimmt, wenn er sagt, das sie stimmt. Viel Mühe und Zeit geht in diesen Prozess. (Ein guter Lektor hilft ihm dabei. Er hilft ihm herauszufinden, ob er wirklich an dem Punkt ist, wo er sagen kann, dass die Geschichte stimmt. Ein guter Lektor ist das schlechte Gewissen des Autors, und er hilft dem Autor, mit seinem Gewissen ins Reine zu kommen.) Die Geschichte stimmt, wenn der Autor sagt, dass sie stimmt. Sie ist seine Wahrheit. Er enthüllt sich in ihr selber. Er schreibt sich selber in ihr.
Er interpretiert sein Thema.
Und damit ist dann auch mit dem Interpretierten Schluss. 
Er hat seine Arbeit hereingesteckt, er hat sie aus der Hand gelegt. 
Damit hat er auch das Recht auf Wahrheit aus der Hand gegeben. Alles, was er an Wahrheit zu geben hatte, liegt in der Geschichte.
Ab jetzt hat er genauso viel Recht auf eine Meinung zu seiner Geschichte, wie jeder andere. Und die Interpretation eines jeden anderen ist genauso viel wert wie seine. 
Er hat die Geschichte abgegeben. Die Möglichkeit, sich selber in die Geschichte hineinzulegen, Aussage hineinzulegen hat er hinreichend gehabt.
Der Autor hat die interpretatorische Lufthoheit aus der Hand gegeben.
Er kann und muss jetzt ab jetzt nicht mehr verstanden werden. Jeder soll das Buch für sich lesen und es zu seinem eigenen machen. Jede Meinung ist legitim. Jede Meinung ist gut. Die des Autors ist nur eine unter vielen. Sei Job war, ein Gewebe zu schaffen, das zu vielen Meinungsgeflechten Anlass geben kann. (Kann. Denn jeder, der das Buch auf der reinen Handlungsebene als spannende Unterhaltung lesen will ist von diesem Autor herzlich dazu eingeladen. Ich liebe spannende Bücher!)
Das Wort Interpretation ist vielen seit der Schulzeit herzlich gegällt. Ich kann das nachvollziehen, auch ohne in meiner Schulzeit in dieser Hinsicht schlechte Erfahrungen gemacht zu haben – ganz im Gegenteil. Aber diesem Wort hängt der Ruch des Klinischen an.
Statt von Interpretieren spreche ich lieber vom Aneignen eines Buches.
Jeder Leser eignet sich ein Buch an. Der Autor steht dabei manchmal nur im Wege. Dass ein Autor verstanden werden kann oder muss, ist ein literaturwissenschaftlicher Mythos.
Was also will der Autor, was will der Autor der „Ninragon“-Trilogie uns sagen?
Tja … 
Das frage ich euch, liebe Leser.

(Hmmm … Wobei ich eigentlich etwas ganz anderes erzählen wollte. Na, dann beim nächsten Mal.)

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„Krähen, zerfetztes Banner“ als Leseproben aus Ninragon 1: http://bit.ly/T8NJF4
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und „Drachenraunen“ aus Ninragon 1: http://bit.ly/SdR43h

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1 Kommentar:

  1. Ich bin einer, bei dem das Wort 'Interpretation' eher Brechreiz erregt. :)
    Gleichzeitig bin ich gerade begeistert in der Leserunde dabei die Metaebene von Ninragon zu entdecken: Ninragon ist vordergründig das blutigste Gemetzel, das ich bisher gelesen habe. Betrachtet man Ninragon als Entwicklungsroman (oder die Mittlerschichten, wie die Ninrae sagen) sieht es schon ganz anders aus. Steigt man auf die Metaebene (oder die Wisperschichten) ist man tatsächlich wieder bei einer ganz anderen Geschichte.
    Von mir also eine dicke Empfehlung für die Leserunde und die Einladung an jeden Interessierten da reinzuschauen oder noch besser mitzudiskutieren. Es gibt noch vieles zu entdecken. Wir fangen gerade erst mit dem 2. Buch an und mit Deutschunterricht hat es rein gar nichts zu tun. :)

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