1. November 2012

Ninragon and beyond … | Die Welt nach Ninragon


Was habe ich in einem Tweet geschrieben: Ninragon – Die Trilogie ist vollendet.
So ist es auch: Drei Bücher sind erschienen, das sollte reichen eine Trilogie zu vollenden.
Und jetzt gibt es einige Stimmen, die mir zurückmelden, dass doch einige Fragen unbeantwortet geblieben sind. Wie schreibt ein Leser: „… in Ninragon gibt es zu viele interessante Figuren und Handlungsstränge, als dass nicht alles in mir danach schreien würde zu erfahren wie es weitergeht …“
Sind in „Ninragon“ also Fragen von mir als Autor nicht beantwortet worden?
Meine Antwort darauf ist: Ja – und nein.
Aus folgendem Grund: Ich denke, man muss unterscheiden zwischen der Geschichte, die in „Ninragon“ erzählt wird – und der Welt.
Die Geschichte, die mit Fug und Recht den Namen „Ninragon“ trägt, findet mit den drei Bänden ihren Abschluss, sie ist in sich geschlossen. Wir erfahren genau wie Auric zu Ninragon wird. In dieser Beziehung bleibt keine Frage offen, nichts bleibt ungeklärt, kein Erzählfaden bleibt unverknüpft oder lose baumelnd.
Aber, fragt der Leser, und das mit Recht weiter: „Was geschieht jetzt in Idirium mit dem **** *** und Idirium selbst? Was mit der *******armee? Wo ist Eisenkrone abgeblieben, woher kommt die *****anführerin?“
Meine Antwort: Das ist nicht die Geschichte Ninragons, das ist Teil der Geschichte dieser Welt.
Was geschieht mit Eisenkrone? In „Krieg und Frieden“ kommt auch Napoleon vor, und wir erwarten nicht, das hier sein ganzer Lebensweg weiter gezeichnet wird bis zum bitteren Ende in Lockwood House auf St. Helena.
Trotzdem aber keine Angst, ich habe nicht vor, in dieser Hinsicht den Leser hängen zu lassen. Es wird Antworten auf diese Fragen geben; ich habe nur eine etwas andere Erzählstrategie gewählt als ein anderer Erzähler, den dieser Leser zum Vergleich anführt. Meine Erzählstrategie heißt: Die Welt und ihre Geschichten.
Bei George R.R. Martin, sagt dieser Leser (dem Autor vom „Lied von Eis und Feuer“, den Fernsehzuschauern auch bekannt als „Game of Thrones“) „… hätten wir auf all das Antworten erhalten. Bei ihm wären aus all diesen Personen Erzählstränge geworden, die sich erst unabhängig entwickeln und dann miteinander verflochten worden wären oder auch einfach nur neu entstehen.“
Das ist richtig. George R.R. Martin hat diese Strategie gewählt: Die Welt ist die Geschichte, und alles entwickelt sich parallel in einem Buch – oder in vielen, wir wissen nicht wie vielen, aufeinander folgenden Büchern.
Ich gebe zu bedenken, dass Martin mit seiner Geschichte noch nicht bis zum Ende gelangt ist, seine Leser Jahre auf Fortsetzungen warten müssen und nicht klar ist, in wie vielen Bänden, wenn überhaupt, Martin die Geschichte wird abschließen können. Zu viele POV-Perpektiven werfen derart parallel nebeneinander behandelt – besonders wenn die Kapitel die von Martin gewählte, annähernd gleiche Länge haben – gewaltige Probleme auf.
Auch aus diesem Grund habe ich mich zu einer anderen Strategie entschlossen.
Wie gesagt: Die Geschichte des Ninragon ist beendet. Ninragon war genauso, jedenfalls was den Plotbogen betrifft, von Anfang an von mir geplant. Es wurde nichts abgehackt, genau hier sollte der Schluss sein. Auric ist zu Ninragon geworden. Punkt.
Ich habe „Ninragon“ aus der Geschichte dieser Welt herausdestilliert, so wie auch jeder andere Romancier, der seine Geschichten in keiner fiktiven Welt ansiedelt sondern (vorgeblich) in der unseren, eine Geschichte aus dem ganzen Getriebe unserer Welt herausgreift und nicht den Anspruch erhebt, unsere ganze Welt zu beschreiben. (Jedenfalls die meisten nicht.)
Anders als Martin erzähle ich das alles nicht parallel, sondern ich werde nun aus dem ganzen Getriebe dieser Welt eine neue Plotline, eine neue Geschichte herausgreifen, die auch in sich abgeschlossen ist. Und so weiter und so weiter. Von verschiedener Länge, von verschiedenen Standpunkten, in verschiedenen Zeiten.
Keine Geschichte liefert alle Antworten der Welt. Das tut keine Geschichte, das tut das Leben auch nicht.
Im Leben ergänzen sich auch immer erst mehrere Geschichten zu einem großen Bild, zu einem Tableau. Nachdem man verschiedene Standpunkte kennengelernt hat, beginnt man das Tableau zu erkennen. 
Die Geschichte von Ninragon ist zu Ende aber was die Welt betrifft:
Alles kommt zusammen. Das war erst der Anfang.
Mein Plan ist es, die große Geschichte, die der Welt, so bald wie möglich fortzusetzen. Dazu liegen bereits Exposees und für mehrere Bücher sowie insgesamt etwa 200 Seiten Text vor. (Mehr sogar, wenn man die Geschichten aus dem weiteren Kreis des Ninragon mit einberechnet.)
Ich will hier nur einen kurzen Ausblick geben:
Der (chronologisch) nächste von mir geplante Roman wird „Homunkulus“ heißen und spielt fünf Jahre nach Ninragon in der Stadt Rhun. Es ist eine Geschichte, die Fantasy mit Elementen eines hard-boiled Cop-Thrillers mischt.
Die Hauptperson ist ein weiblicher Cop, naja, ein Mitglied der Stadtmiliz Rhun, die nur ihre Stadt sauber halten will. Wenn nötig mit harter Hand. Und plötzlich nicht mehr weiß, auf welcher Seite er eigentlich steht. 
Das hört sich zunächst so an, als würde ich eine ganz neue Geschichte erzählen, aber in Homunkulus werden viele der Fragen aus „Ninragon“ beantwortet, u.a. die nach der Bedrohung für das Idirische Reich und danach, was mit dem Einen Weg geschieht.
Der nächste Roman ist zwei Jahre später angesiedelt, greift die Ereignisse zur Zeit des Ninragon aus verschiedenen anderen Perspektiven auf, führt sie in der Erzählgegenwart zusammen und trägt sie weiter in die Zukunft. Den Titel möchte ich hier, aus bestimmten Spoiler-Gründen, noch nicht verraten. Ich kann nur versprechen, dass in diesem Buch aus dem „Ninragon“ bekannte Charaktere wieder auftauchen werden.
Danach wird es wahrscheinlich wieder mit einer längeren Geschichte weitergehen, wahrscheinlich wieder einer Trilogie, die mit verschiedenen parallelen Perspektiven spielt.
Eine andere Geschichte spielt 400 Jahre später und zeigt in der großen Perspektive, was aus all dem, was in Ninragon angelegt wurde, sich entwickelt hat.
Wenn alles nach Plan läuft, werde ich die Geschichte sogar in die Gegenwart tragen. Das wird dann in Teilen der Geschichte so etwas wie Urban Fantasy sein. Und selbst hier werden aus dem „Ninragon“ bekannte Charaktere auftauchen. Einigen meiner Leser dürfte diese Geschichte in Teilen und anderer Form bereits bekannt sein; sie heißt „Interregnum“.
Ja, und auch Eisenkrone wird wieder auftauchen. Wie könnte man einen interessanten Charakter wie ihn fallenlassen? Und sein Gefährte Vanwe.
Und die Kreatur, die in Norgond die Senphoren der Reihe nach umbrachte und die Auric vergeblich verfolgte, wird ebenfalls wieder auftauchen. Und eine wichtige Rolle spielen.
„Ninragon“ ist zu Ende. Die Geschichte, ihr Bogen sind in sich geschlossen. Die Geschichte der Welt, des „Ninragon-Universums“ geht weiter.
Wie sagte Steven King:
"Ich schreibe so lange, bis der Leser davon überzeugt ist, in der Hand eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein"
Und damit schließe ich meinen Post für heute. Amen, meine Damen und Herren, Jungs und Mädels, Dudes und Dudesses. Gehet hin und sündigt fortan nicht mehr auf Arten, auf die ich nicht auch ab und zu mal eine saftige Sünde begehen würde.

Kommentare:

  1. Und wann in etwa kann man mit Homunkulus rechnen?

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  2. So etwa ein halbes Jahr nachdem ich mit dem Projekt angefangen habe. Sorry, ich weiß, de Antwort ist etwas vage, aber momentan sind die Dinge bei mir so in Bewegung, dass ich schlecht exakte Pläne machen kann. Ja nachdem, was passiert und wie ich das Projekt angehe, d.h. wenn ich es wie Hyperdrive als Serial veröffentliche, kann man auch schon früher die ersten Kapitel lesen. Meine Absicht ist jedenfalls, so bald wie möglich "Homunkulus" zu schreiben und zu veröffentlichen.

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