20. November 2012

Im Feuer


Unsere kleine Leserunde zu „Ninragon“ weckt momentan viele Erinnerungen.
Wie weit ich von der Zeit weg bin, in der ich „Ninragon“ geschrieben habe, fiel mir auf, als mich einer der Leser auf die Bedeutung von Glen Cooks „Black Company“-Romanen für meine eigene Geschichte ansprach. Und ob die „Black Company“ nicht auch neben „Conan“ und „Der Herr der Ringe“ in die Meta-Ebene von „Ninragon“ eingegangen ist.
Spontan habe ich dem nur eingeschränkt zugestimmt. Aber dann, nach einigem Nachdenken, fiel mir auf, wie viel näher die Teilnehmer dieser Leserunde (zumindest zeitlich) am Text dran sind; für mich ist das schon wieder alles lange her. Aber angeregt dadurch habe ich mich wieder in diese Zeit vertieft, und viele Erinnerungen kamen hoch.
Nicht nur an die Lektüre der „Black Company“, auch an diese ganze wilde, verrückte und wunderbare Zeit.
Unsere Mädchen waren eben erst geboren. Sie waren noch kleine Frischlinge, die man fast auf der Hand herumtragen konnte. Zoe hatte einen Iro, der aussah, als wäre er von einem japanischen Star-Friseur geschnitten worden. Unsere Nächte waren kurz und durchbrochen von den Aufwach- und Hungerphasen zweier Babies, natürlich zeitversetzt – die beiden konnten sich noch nie auf etwas einigen.
Es war ein heißer Sommer. Wir waren tagsüber mit den Kindern meistens draußen im Garten, wenn es sich machen ließ. Brian, der beste Hund der Welt, zog sich japsend über die kühlen Fliesen. Wir grillten viel. Einerseits weil ich Grillen liebe und es für mich etwas Zen-gleiches hat, zum anderen – hey, es ist heiß, es ist Sommer, was macht man da anderes als etwas auf den Grill werfen, beim Feuermachen Bier trinken (gut und unerlässlich für deinen Mojo) und Windeln wechseln. Eintopf und Aufläufe kochen etwa?
Es gibt ein Bild von mit mit freiem Oberkörper – weil man es sonst nicht aushielt –, wie ich auf jeder Schulter ein Mädchen auf der Terasse trage. Wow, so klein waren die. Das könnte ich heute auch nicht mehr bei Grace und bei Zoe, dem langen Gerät.

Die Sonne brannte, der Grill brannte, und ich schrieb „Im Feuer“.
Ich war übernächtigt, ich war auf körpereigenen Meine-zwei-tollen-Babytöchter-Drogen, ich war auf Adrenalin, und meine Synapsen feuerten wie verrückt. Auric und seine Horde rannte durch einen fremdartigen Urwald und die Brandgeschosse der Elfen donnerten auf sie herab. Sie waren vollgeknallt bis zum Scheitel mit Rott und ich war wohl auch auf irgendetwas seltsamen Sinneserweiternden.
Die Mädchen bekamen, wenn ich und Kirsten drinnen waren, in der Wippe unter unseren Arbeitstischen Funk und Soul gedröhnt und groovten mit. Das Jugendamt hatte keinen blassen Dunst, und wir alle gingen durch die ersten Monate unseren seltsamen, neuen, wunderbaren Beziehung miteinander. Obwohl in mir immer wieder den Verdacht aufkam, dass diese Beziehung nicht so neu sein konnte.
Ich hackte die Zeilen wie verrückt in mein Lap, dann wieder runter in den Garten zu meinen drei Mädchen, wo immer noch die Sonne wie ein Hammer auf einen Amboss dröhnte, die Worte gingen mir im Kopf rum, neue drängten nach, mischten sich, verschoben sich. Wieder hoch ans Lap, weil es in mit loderte. Alten Absatz bearbeiten, neuen rein. Der Text wächst, die Worte brennen, ein Inferno nimmt Gestalt an. Grillen, meine drei Mädchen, Essen, wieder krachen Sätze rein in meinen Schädel, ans Lap, reingehackt.
Schreiben ist Rock’n’Roll auf Papier.
Das galt ganz besonders zu dieser Zeit.
Das war purer, reiner, dreckiger Rock’n’Roll. Als könnte ich die Menge in einem Stadium den Refrain mitgrölen hören, und die Amps befeuerten mich von hinten mit fettem Druck. Im Feuer.
Die ganzen Absätze über den Dschungelkampf um die Kinphauren-Festung Jhipan-Naraúk entstanden wie in einem Rausch.
Ja, und ich erinnere mich, die Black Company war dabei. Die alten Dreckfresser. Croaker mit seiner kampfesmüden, lakonischen Sprache, in der doch hinter jedem verkürzten Satz, hinter jeder Auslassung so viel Emotion steckte.
Es war eine großartige Zeit.
Danke, Minkey, Dude, ihr Jungs aus der Leserunde, dass ihr mich wieder dsran erinnert habt.
Ich freue mich schon darauf, wieder in diese Welt von „Ninragon“ zurückzukehren.

Howdy!
See you on the Range.

Horus


So, und die drei Roman, die dabei herausgekommen sind, die Ninragon-Trilogie findet ihr hier:
„Die standhafte Feste“ http://amzn.to/QhC6dz
„Der Keil des Himmels“ http://amzn.to/NLiI9C
„Der Fall der Feste“ http://amzn.to/QN0YaG

Leseproben zum Reinschnuppern, neben den obligatorischen zum Runterladen auf Amazon, findet ihr hier: 
„Krähen, zerfetztes Banner“ als Leseproben aus Ninragon 1: http://bit.ly/T8NJF4
und „Das Herz der Zivilisation“ als Leseprobe aus Ninragon 2: http://bit.ly/MkCzIt,
außerdem „Im Feuer“ aus Ninragon 1: http://bit.ly/ORFmJv
und „Drachenraunen“ aus Ninragon 1: http://bit.ly/SdR43h

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen