26. November 2012

Hyperdrive 3.27 … oder so …



Das ist die Titel-Illustration. Ist sie nicht großartig?
Die Vorlage ist von Angela Harburn, und sie wurde von Martin Schlierkamp in bewährt großartiger Manier bearbeitet. Das heißt, er hat dem Bild erst diese Farbstimmung gegeben und eine Patinaschicht darübergelegt, die es wie eine vollgespachtelte und mit Texturen übersäte Leinwand wirken lässt.
Damit ist also auch die dritte Episode von „Hyperdrive“ draußen.
Und mit ihr jener Text von mir, der wohl am meisten überarbeitet wurde.
Es hat einen ersten Textkorpus gegeben, einen ersten tastenden Versuch, Szenen zu schreiben, die den Weg für meinen ersten Roman weisen, ihn als Geschichte definieren würden. Denn „Hyperdrive“ war mein erster Roman, mein erster Versuch reinen Prosa (keine Comics, ohne Bilder) zu schreiben überhaupt.
Danach habe ich all das von mir Produzierte dann gesichtet. Mittlerweile sah schon ich klarer, wie der Roman aussehen sollte. Und es gab auch erste Reaktionen auf meine ersten Schreibversuche. Entsprechend habe ich dann den Text umgestaltet, Szenen überarbeitet, an die richtige Stelle gerückt, neue dazugeschrieben. Der Bauplan stand fest, der Roman schritt fort.
Erste Fassung fertig ging sie an ein paar Probeleser raus.
Konstruktive Kritik. Spiegeln dessen, was man in seinem Geist entworfen hat, am Leser.
Langes Wälzen der Reaktionen. Überlegen, was davon für mich relevant ist, was nicht. Was den Kern trifft.
Dann danach die zweite Fassung. Gekürzt, neue Teile eingeschoben, eine Sequenz signifikant erweitert, fast eine eigene kleine Handlung, umgeschrieben, Logikbrüche geglättet, Motive zusammengefasst und verknüpft.
Dann war die zweite Fassung fertig, von der mir die Reaktion weiterer Probeleser bestätigte, dass sie eine wesentliche Verbesserung darstellte. Eine Kritik hat mir besonders geschmeichelt. Ein Freund, der keine Zeit für Bullshit was Bücher betrifft hat, und der nur im Urlaub die Muße hat, wirklich einmal am Stück zu lesen, nahm „Hyperdrive“ und Richard Morgans „Unsterblichkeitsprogramm“ mit auf die Reise und meinte hinterher, beide Bücher hätten ihm gefallen, meines aber mehr als Morgans; „Hyperdrive“ hätte ihn regelrecht begeistert. Als Fan von Richard Morgan ist das natürlich das allergrößte Kompliment für mich. Wenn auch das andere Publikum, ähnlich wie dieser individuelle und sicher subjektive Leser,  mein Buch in die gleiche Kategorie einordnet wie Richard Morgan, bliebe mir nichts mehr für dieses Buch zu wünschen übrig.
Außer vielleicht, dass es mir, genau wie „Das Unsterblichkeitsprogramm“ Richard Morgan, einen Filmdeal einbringt.
Danach war erst einmal Pause für „Hyperdrive“. Das Manuskript lag da und wanderte, als ich dann einen Agenten fand, auf seinen Schreibtisch. Die Kunde kam aus den Verlagskreisen zurück: Science Fiction verkauft sich nicht in Deutschland. Pythia hatte gesprochen.
Daraufhin lag das Manuskript wieder für einige Zeit herum.
Bis ich dann erkannte, dass ich zur Veröffentlichung als eBook nicht die Legitimation eines Verlages brauchte und mich – dank der Gnadenlosigkeit meines Lektors, der seine Rolle perfekt ausfüllte und als mein schlechtes Gewissen fungierte (siehe vorherige Blogposts) – an eine weitere Überarbeitung des Manuskripts machte, um es in die bestmögliche Form zu bringen.
Wieder wurden diese Textstellen, die mittlerweile einen Teil von Episode 3 ausmachen, überarbeitet.
Sie sind tatsächlich die von mir am meisten überarbeiteten Passagen, die ich jemals geschrieben habe.
Als ich sie durchlas, einige der ursprünglichen Versionen und die neue Version, wurde mir klar, auf wie viele unterschiedliche Arten man eine einzige Geschichte erzählen kann.
Ich habe sehr szenisch angefangen. Mit einer Person, mit Szenen, die diese Person umkreisen und sie in verschiedene Zeitebenen hinein verdeutlichen. Ich hatte damals etwas Ähnliches im Sinn, wie es wohl James Owen, ein amerikanischer Comic-Zeichner und Bekannter mit dem ersten Zyklus seiner Serie „Starchild“ gemacht hat. Wer ebenfalls Comic-Leser in der Zeit war, als diese Comics herauskamen, in den 90er Jahren, wird genau verstehen, worüber ich im Folgenden spreche. In jedem dieser Einzelhefte verfolgt James Owen eine Art zyklisches Erzählen, das von einer Ursprungssituation ausgeht, sie ausleuchtet, ihre Gründe und die Ereignisse, die zu ihr führten, darlegt, um schließlich wieder an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Und im nächsten Heft erneut anzusetzen.
Ich und James haben uns auf dem Comic-Con in San Diego kennengelernt, miteinander kommuniziert und uns immer wieder in regelmäßigen Abständen getroffen. Und wir haben uns auch wohl gegenseitig beeinflusst. James war ein großer Fan meiner Zeichnungen und ließ sich von ihnen inspirieren, als seine Erzählung das Setting wechselte, zu einer großen, wuchernden Stadt hin. Das war der Zyklus „Mythopolis“. Es gab zum damaligen Zeitpunkt sogar Pläne, dass er meinen Comic „Brennan Moore“ als Serie publizieren wollte. Dann nahm das Leben für ihn ein paar unerwartete Kurven. Über 200 unveröffentlichte Seiten von „Brennen Moore“ liegen heute immer noch bei mir im Schrank.
Und er ist seltsamerweise heute auch zum Autoren von Romanen geworden. Seine Bücher, unter anderem „Die Chroniken der Imaginarium Geographica“ findet ihr hier: http://amzn.to/TZnfDq. Seinen Blog „The Wonder Cabinet“ findet ihr hier: http://coppervale.livejournal.com.
Okay, zurück zum Thema.
In einer weiteren Fassung waren dann die Szenen in verschiedenen Zeitebenen geschichtet, die sich miteinander abwechselten.
Die scheinbar „letzte“ Fassung hatte von der Plotlinie einige kunstvoll ineinander verschlungene Zeitschleifen.
Diese habe ich dann in der jetzigen Fassung zugunsten besserer Lesbarkeit aufgeschnürt. Die entsprechenden Szenen sind jetzt rein linear und sequenziell erzählt. Da musste natürlich einiges aufgedröselt werden.
Was das bessere Buch ist?
Die Frage ist müßig. Das bessere Buch für wen?
Für mich ist die Antwort auf diese Frage klar: Das bessere Buch für den Leser.
Er soll es verstehen und genießen können. Er soll nicht in Rätsel gestürzt werden von einem angesichts seines privilegierten Einblicks in das Werk hohnlächelnden Autor. Kein Versteh-oder-Stirb. Ein Buch sollte kein Wettbewerb sein, wer den höheren IQ oder Durchblick hat. Ein Buch sollte Nahrung für die Seele sein. Und ich war noch nie ein Verehrer jener Küche, in der sich das Hauptgericht unter einem Salatblatt versteckt. 
Die Frage ist nie: Hätte ich es noch geheimnisvoller, noch verrätselter und verschlüsselter, daher noch „anspruchsvoller“ machen können? Das ist anmaßend. Da passt dann perfekt das Wort prätentiös. 
Die Frage ist immer: Hätte ich es durch eine weitere Überarbeitung noch klarer, noch verständlicher, noch zugänglicher machen können?
In diesem Sinne ist die jetzige Version von „Hyperdrive“ das beste Buch, das ich zur Zeit daraus machen kann.
Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen.


Leseproben zu „Hyperdrive“ (neben den obligatorischen bei Amazon) findet ihr hier:

Die drei bisher erschienen Episoden von „Hyperdrive“ sind hier erhältlich:

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