6. August 2012

Warum Romane? (Teil 3)

Fassen wir also desweiteren zusammen: Ich hatte eine Story im Kopf und begriff, dass ich sie nicht auf irgendeine befriedigende oder meiner geistigen Gesundheit zuträgliche Weise als Comic verwirklichen können würde. Angeregt durch einen Tritt ins Rückgratende durch meine Lebensgefährtin setze ich mich hin und versuche, das Ganze rein literarisch, ohne Bilder, als Roman umzusetzen. Eine Woche später bin ich süchtig.

Da saß ich also, mir war absolut klar, dass das Schreiben meine Berufung war, und was machte ich jetzt damit?
Ich war schließlich Comic-Zeichner, all meine Verbindungen, meine ganze Karriere bezog sich auf diese Szene. Ich hatte viele lange Jahre gearbeitet, um an den Punkt zu kommen an dem ich war. Ich war jemand.
In der literarischen Szene dagegen war ich niemand. Jemand, der gerade anfängt.
Wollte ich wirklich diese ganze Ochsentour noch einmal durchmachen? Wollte ich meine alte Karriere abschließen und ganz von vorne beginnen?
Während ich mit mir rang, brachte mir ein Blick in den letzten Comic, den ich verfasst hatte, Rat.
Da ist ein Mädchen, die als tot erklärt wird, die mit ihrem ganzen Leben, ihren ganzen Erfahrungen an einen Körper gekettet ist, der keine sich erneuernden Prozesse des Lebens mehr durchläuft. Während sie versucht, diese Erfahrung, die sie krass zum Außenseiter macht, zu verarbeiten, hat sie seltsame Visionen. Sie sieht hinter Wänden Schatten einer sich abzeichnenden Welt voll miteinander tätigen Individuen. Die ist vage fasziniert, da ist etwas Neues hinter den Mauern, während die Welt um sie herum für sie immer mehr abstirbt. Am Schluss einer post-modernen, morbiden Walpurgisnacht steht sie ernüchtert und innerlich in all ihren Regungen gelähmt vor einer Backsteinmauer, ahnt hinter ihr erneut die Welt der Schatten. Sie sehnt sich danach, dass die Mauern sich für sie öffnen. Erst dann so ahnt sie, würde endlich wieder etwas geschehen. (Während unbemerkt von ihrem Wachbewusstsein ein Teil von ihr hinter den Kulissen der Welt schon tätig ist.)
Ich sah, dass ich genau wie die Protagonistin dieser Geschichte vor einer Mauer stand und nicht weiter konnte. 
Dass ich mit meinem Unterbewusstsein prophetisch genau meine eigene Situation beschrieben hatte. Erst hinter dieser Mauer ging es weiter. Erst dort würde wieder etwas geschehen. Dort war eine neue Welt.
Jetzt musste ich nur mutig genug sein, sie zu entdecken. 
Seit dem begreife ich mich als Schriftsteller.
Ich habe nicht die Comics hinter mir gelassen – sie sind fester Teil meines Bewusstseins und meiner Vergangenheit –ich bin nur einen Schritt für mich weitergegangen.
Und die Bilder?, fragen manche. Vermisst du das Zeichnen nicht?
Die Bilder sind immer noch da. Sie sind in jeder Zeile, die ich schreibe.
Das Zeichnen?
Ich zeichne immer noch. Ich habe nie aufgehört. Nur nicht auf Papier.
Ich habe so lange Zeit gezeichnet, das die Zeichnungen in meinem Kopf sind, dass das Zeichnen in meinem Denken passiert. Ich schaue in die Welt und ich kann nicht anders, als den Fund meiner Augen automatisch zu Zeichnungen zu verarbeiten. Ich schaue die Welt an und sehe Zeichnungen. Nur verspüre ich nicht länger die unbedingte Notwendigkeit, sie dann auch noch zu Papier zu bringen.
Als dann meine beiden Mädchen kamen, hörte ich dann immer wieder Frage wie: Papa, malst du mir eine Katze. Und da nahm ich zum ersten mal tatsächlich wieder einen Stift in die Hand.
Das erste davon, was nicht mit allem anderen Aufgekehrten des Tages in den Müll wanderte, war mein erstes Bild einer Katze, das von meinen Mädchen nicht mit „Wau-wau“ kommentiert wurde.
Seitdem schaue ich immer wieder manchmal meine Marker an und werde nachdenklich.
Ich und zeichnen? Nie mehr? Wer weiß.
Alles ist möglich.
Aber jetzt werde ich zuerst einmal wieder eine Originalzeichnung für die anfertigen, die mir eine Rezension auf Amazon schreiben. Denn das Angebot gilt noch immer: Eine signierte Zeichnung von mir gegen eine Rezension meines Buches auf Amazon.
Auf geht‘s!

Zum Anlesen gibt‘s außer den obligatorischen Leseproben zum Runterladen auf Amazon 
auch „Krähen, zerfetztes Banner“ als Leseproben aus Ninragon 1: http://bit.ly/T8NJF4
und „Das Herz der Zivilisation“ als Leseprobe aus Ninragon 2: http://bit.ly/MkCzIt,
außerdem „Im Feuer“ aus Ninragon 1: http://bit.ly/ORFmJv

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