23. Juli 2012

Warum Romane? (Teil 1)

Einer meiner letzten Posts hieß „Warum eBooks?“. In ihm habe ich meinen Entschluss erklärt, meinen Roman „Ninragon“ als eBook zu veröffentlichen.
Aber für einige, die mich kennen und meine Entwicklung verfolgt haben, war das vielleicht ein Schritt zu schnell.
Für diese Leute bin ich vielleicht noch der Comic-Zeichner, der solche Geschichten wie „Schattenreich“, „Wüstensöhne“, „Schiller!“ oder „Post Mortem Blues“ geschrieben und gezeichnet hat, und plötzlich (ein paar schlappe Jahre später) bin ich jemand, der phantastische Romane verfasst. Wie kam es dazu? Was war der Schritt dorthin? Wieso also schreibe und zeichne ich plötzlich keine Comics mehr, sondern verfasse Romane? Ganz ohne Bilder? Wie konnte ich das Zeichnen aufgeben?
Sprung zurück. 
Ein paar Jahre zurück. 
Ein etwas jüngerer, noch zwillingstochterloser Horus, dessen aktueller Comic „Post Mortem Blues“ sich gerade der Vollendung nähert und in dessen Kopf sich schon die Pläne dafür breit machen, was er als nächsten Comic machen will.
Es ist ganz klar. Als nächstes wird es Science Fiction geben. Endlich wieder. Der erste große Comic „Brennan Moore“, auch ein Science Fiction, ist lange her.
Die große Story, die mir schon lange im Kopf herumspukt. In der ich endlich all die Erzähltricks und formalen Mittel anwenden kann, die ich in meinen vorherigen Stories im Kleinen erprobt habe. Die Geschichte von drei unterschiedlichen Charakteren, die es dadurch zusammentreibt, dass sie für kurze Zeit ein gemeinsames Ziel verfolgen (oder zu verfolgen scheinen) und die dann, als die Umstände und Motivationen für alle allmählich komplizierter werden, langsam wieder auseinander driften. Sich neue Allianzen bilden. Sie kurzzeitig sogar zu Feinden werden, wie jeder von ihnen am Ende vor einem neuen eigenen Abenteuer steht. Bis auf einen. Eigentlich sind es vier, denn der Antagonist ist eine ebenso wichtige Gestalt und keinesfalls ein bloßer Schurke. Er hat nur andere Ziele und Motive und steckt in einer Lebenssituation, die ihn zum Feind der anderen drei macht.
Ich hatte sie alle im Kopf.
Dugan Raijaw, eine unbezähmbare Naturgewalt. Eine Bombe, die darauf wartete zu explodieren.
Sam Bi. Sie beschreibt sich selber als eine „Managerin mit robuster Kompetenz“, der diese Bombe bei einem Auftrag in den Schoß fällt, ausgerechnet als sie selber angeschlagen ist und erst einmal ihre Moral und ihr Leben wieder aufbauen muss.
Nemo5. Ein Mann, den es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte und der ein Geheimnis mit sich herumträgt, hinter dem jede Macht des menschlichen Einflussbereichs her ist. Der dieses Geheimnis selber ist. Der etwas gesehen hat, was ihn auf immer verändert hat. Verwandelt hat.
Special Major Masoud Walser. Der richtige Mann im falschen System. Die tragische Figur.
Die Geschichte hatte sogar schon einen Titel.
Hyperdrive.
Ich sah schon die Seiten vor mir. Ich sah die Figuren vor mir. Die Layouts.
Erster Band.
Erster Band? Ich fing an, so ein wenig den Handlungsbogen zu überschlagen. Klar war, das würde eine längere Geschichte. Keine bloßen 46 Seiten wie bei einem Album üblich. 46 Seiten, was ist das schon? Damals war das Album der Standard. Es gab Graphic Novels, die hat es schon immer gegeben, aber der Begriff war noch nicht als etwas entdeckt worden, was man vermarkten konnte, kein modisches Schlagwort. Für mich war aber klar, genau das würde es werden: ein Roman, ein WortBild-Roman. Man musste nur sehen, in welche (damals) gängigen Formate man das verpacken konnte.
Für mich war immer schon klar, was das ideale Format war: Irgendwo zwischen Fumetti und US-Comic, auf keinen Fall größer. Aber dick. Unter hundert Seiten geht‘s erst gar nicht los. Ein Buch eben. Ein Comic-Buch. Eine Geschichte. Etwas zum Lesen. Etwas, das man in der Hand hielt, und das ein gute, satte Portion Lesevergnügen signalisierte. Kein großformatiges Album, schön gemacht, viele große Bilder, etwas für den Couchtisch, zum Anschauen und Durchblättern, das nach Kunstband aussieht. Nicht zum Anschauen und visuell Delektieren – zum Lesen. Geschrieben. In Bildern und Worten. Eine Erzählung. Ein Roman. Graphisch.
Also, bis zu welchem Punkt der Erzählung sollte der erste Band meines graphischen Romans gehen? Und wie viele Seiten sollten das sein?
Okay, also bis zu diesem Punkt, klar, das war ein guter Punkt, erst einmal die Geschichte anzuhalten. Wie viele Bände würde ich dann für die ganze Geschichte brauchen?
Ich überschlug und stutzte zum ersten Mal.
Wie viele Bände??? Wie viele Seiten??? – Dabei war das alles doch nicht mehr als eine normale Roman-Handlung.
Eine simple Geschichte.
Und wie lange würde ich brauchen, das zu Zeichnen?
Ich überschlug erneut und kam ernsthaft ins Grübeln.
Dritte Frage:
Und wer sollte so etwas herausbringen?
Ich wollte nichts weiter, als einen richtigen Roman erzählen. Endlich einmal. In meinem Medium. Als Comic. Nichts weiter. Und ich war schon in ernsthaften Schwierigkeiten, ohne überhaupt einen Strich gezeichnet, ohne ein Wort geschrieben zu haben.
Was sollte mir das sagen?

Fortsetzung folgt, meine Damen und Herren, Jungen und Mädels, Dudes and Dudesses.
Währenddessen gibt es den ersten Teil meines Romans „Ninragon“ zu lesen.

Howdy!
See you on the Range

Horus

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